Malaria: Übertragung und Prophylaxe

Sie wurde schon in den ägyptischen Mumien nachgewiesen, auch wenn ihre Ursache damals noch nicht geklärt war. Heute gilt sie als bedrohlichste parasitäre Erkrankung weltweit. Die Rede ist von Malaria. Nicht zu Unrecht wird die gefährliche Krankheit seit jeher mit „ungesunden“ Sumpfgebieten in Zusammenhang gebracht, daher hat sie auch ihren Namen: Mal´aria bedeutet auf italienisch „schlechte Luft“. Das französische Wort für Malaria heißt „Paludisme“, „palus“ kommt aus dem Lateinischen und heißt „Sumpf“.

Jedes Jahr erkranken weltweit Millionen Menschen an Malaria, mehrere Hunderttausend sterben Jahr für Jahr an ihren Folgen – darunter viele in den Tropen lebende Menschen, aber auch immer wieder Reisende. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Malaria von der Mücke auf den Menschen übertragen wird und wie Sie sich am effektivsten vor einer Übertragung schützen können.

Die Tücke der Mücke

Die für den Menschen bedeutsamen Malaria-Arten werden in der Natur durch den Stich von weiblichen Anopheles-Mücken vom Menschen aufgenommen bzw. auf den Menschen übertragen .

Es gibt weltweit 480 Arten von Anopheles-Mücken (auch Fieber- oder Gabelmücken genannt). Selbst in der Arktis kommen sie vor. Ungefähr vierzig Arten übertragen Malaria. Diese Mücken haben sich sehr gut an die verschiedenen Umweltbedingungen angepasst. Anopheles-Weibchen lieben die Dämmerung und die Nacht; in dieser Zeit nehmen sie gerne eine Blutmahlzeit zu sich, die sie brauchen, um dann nach zwei bis drei Tagen ihre Eier abzulegen. Einige Arten sind auf das Innere von Häusern und die darin schlafenden Menschen spezialisiert, andere leben lieber draußen. Ihr Flugradius beträgt zwei bis drei Kilometer, ihre Lebensdauer drei bis acht Wochen.

Übrigens

Es gibt auch einen eher seltenen, in Südostasien vorkommenden Malaria-Erreger: Plasmodium knowlesi. Die Mücken nehmen ihn vom Affen auf und übertragen ihn dann auf den Menschen.

Übertragung der Malaria durch Parasiten von Mensch und Mücke

Die Mücken nehmen bei ihrer Blutmahlzeit unbemerkt weibliche und männliche Geschlechtsformen des Malariaerregers vom Menschen auf. Aus ihnen entwickeln sich dann im Insekt innerhalb von sieben bis dreißig Tagen Tausende von einzelligen Parasiten (Sporozoiten). Diese werden dann mit dem Stich in den Menschen injiziert – und führen zur Malariaerkrankung: Der Malaria-Erreger lebt in den inneren menschlichen Organen und roten Blutkörperchen, wo er sich ungeschlechtlich rapide vermehrt. Die Vermehrung der Erreger in der Leber und der anschließende Befall der roten Blutkörperchen führen zu einer komplexen Reaktion des Immunsystems, zum Versagen der inneren Organe und des Hirns und schließlich zum Tod innerhalb weniger Tage – wenn keine Behandlung stattfindet.

Die Vermehrung der Malariaerreger in der Mücke funktioniert allerdings nur bei einer Temperatur von mindestens 16° C. Selbst in den Hauptverbreitungsgebieten der Malaria sind etwa ein bis drei, maximal jedoch zehn Prozent der Mücken infiziert, wobei nicht jeder infektiöse Stich zur Malaria-Erkrankung führt. Das sehr vielfältige Wechselspiel zwischen Natur, Mücke und Mensch bedingt das Vorkommen der Malaria und die Veränderungen in ihrer Verbreitung, zum Beispiel durch Eingriffe in die Umwelt.

Info

Anophelesmücken können Sie an ihrer Ruhestellung erkennen: Im Gegensatz zur gewöhnlichen Stechmücke ist bei ihnen der Leib schräg abgewinkelt, wenn Sie von der Seite schauen – bei den Schnaken ist der Körper parallel bzw. gerade zur Wand ausgerichtet, auf der sie sitzen.

Malaria-Übertragung: Auch in Deutschland?

Neben dem Stich durch eine Mücke vor Ort gibt es einige weitere Möglichkeiten, wie es in seltenen Fällen zu einer Malaria-Infektion kommen kann: Zu diesen gehört die in der Umgebung von Flughäfen vorkommende „Airport-Malaria“ und die „Gepäck-Malaria“, bei der infizierte Mücken in Containern oder Gepäckstücken zu uns kommen und dann zustechen.

Während der Schwangerschaft kann eine Malaria zudem von der infizierten Mutter auf das ungeborene Kind übertragen werden, ferner durch Bluttransfusionen, Organspenden oder unsauberes Arbeiten im medizinischen Bereich. Selbst in Deutschland kommen Anopheles-Arten vor, die Malaria übertragen können. So ist es hierzulande schon zur Verschleppung der Malaria von einem im Ausland erkrankten, dann bei uns in der Klinik behandelten Patienten auf einen Mitpatienten gekommen.

Keine Mückenstiche, keine Malaria: Wie Sie die Übertragung verhindern können

Die Vermeidung von Mückenstichen ist die wichtigste Maßnahme, um gesund zu bleiben. Großflächige, national und international organisierte Aktionen zur Bekämpfung der Malaria beruhen auf der Behandlung der Infizierten, der direkten und indirekten (z. B. durch imprägnierte Mückennetze) Bekämpfung der Mücken sowie der Anwendung von Impfstoffen. All das hat zum weltweiten Rückgang der Malaria geführt.

Für den individuell oder Langzeit-Reisenden sind die folgenden Vorsichtsmaßnahmen besonders wichtig.

Vermeidung von Moskitostichen (Expositionsprophylaxe)

  • Helle Kleidung
    Nicht zu auffällig. Moskitos bevorzugen dunklere Farben, daher sollten Sie eher helle Stoffe tragen.
  • Imprägnierte Moskitonetze
    Moskitonetze gibt es in vielen Varianten, zu denen auch „selbsttragende“ Modelle gehören, bei denen Sie nicht auf eine Aufhängmöglichkeit angewiesen sind. Die Maschengröße sollte nicht über 1,3 mm liegen. Eine Imprägnierung mit einem Insektizid erhöht die Effizienz.
  • Repellents (Insektenschutz)
    Diese gibt es sowohl zum Auftragen auf die Haut als auch für die Kleidung. Die wirksamsten getesteten Substanzen[1] sind DEET und (P)Icaridin. Beide sind in der Langzeitanwendung ungefährlich, können aber hautreizende und allergische Nebenwirkungen haben. Das Auftragen muss gegebenenfalls mehrfach erfolgen, eine Kombination mit Sonnenschutz ist möglich. Kaufen Sie das Repellent im Ausland, sollten Sie darauf achten, dass einer der beiden Wirkstoffe in dem Präparat enthalten ist – teils gibt es Kombinationen.
  • Brutplätze ausfindig machen
    Haben Sie auf Ihrer Reise ein eigenes Haus, sollten Sie sich versichern, dass die Brutplätze der Mücken in Ihrem Umkreis trockengelegt wurden, Moskitogitter vor den Fenstern angebracht sind und die Zimmer über Klimaanlagen verfügen, die Mücken fernhalten. In den Tropen werden im Freien (z. B. auf der Terrasse) häufig „moscito-coils“ eingesetzt. Das sind Räucherspiralen, die nach dem Anzünden einen beißenden Rauch verschwelen, der Mücken bedingt fernhält. Sie enthalten meist Pyrethrum – ein natürliches Insektizid, das aus Chrysanthemenblüten gewonnen wird.

Prävention einer Malaria-Übertragung durch Medikamente

Die Entscheidung für eine medikamentöse Vorbeugemaßnahme, die Chemoprophylaxe, hängt vom Infektionsrisiko ab. Alle internationalen Empfehlungen dazu ähneln sich und erklären, ob das Einnehmen von Tabletten in einem Malariagebiet sinnvoll ist oder nicht. Dennoch kann individuell natürlich eine andere Entscheidung getroffen werden, was jedoch immer unter Rücksprache mit einem Reise- oder Tropenmediziner erfolgen sollte. Die medikamentöse Prophylaxe der Malaria beginnt schon vor Reisebeginn durch die regelmäßige Einnahme eines Arzneimittels oder einer Medikamentenkombination, welche bis nach der Rückkehr aufrechterhalten wird. Die Art des Medikamentes wird vom Fachpersonal je nach Reiseland, Dauer der Reise und Gesundheitszustand des Reisenden ausgewählt.

Auch für Kinder und Schwangere ist eine solche Vorbeugung sowie die Langzeiteinnahme über mehrere Monate hinweg möglich. Bei einem Langzeitaufenthalt in einem Hochrisikogebiet ist es sinnvoll, während der ersten Monate eine Prophylaxe durchzuführen, bis Sie die Verhältnisse vor Ort einschätzen können. Die medikamentöse Vorbeugung ergänzt die Expositionsprophylaxe, ersetzt diese aber in keinem Fall – zudem können Mücken neben Malaria noch viele weitere Krankheiten übertragen.

Für den Reisenden kommen die folgenden Arzneimittel infrage – je nach Reiseland, Reisedauer und Gesundheitszustand:

  • Atovaquon / Paludrin (Handelsname z. B. Malarone®)
    Atovaquon und Paludrin sind zwei bekannte Substanzen in Kombination. Sie sind gut wirksam. Man beginnt mit der Einnahme zwei Tage vor der Abreise und nimmt sie täglich bis zum siebten Tag nach der Rückkehr. Mögliche Nebenwirkungen sind vor allem Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall, Kopfschmerzen und in seltenen Fällen Entzündungen der Mundschleimhaut, aber auch neurologisch-psychiatrische Erscheinungen, Fieber und Hautallergien können vorkommen. Bei schweren Vorerkrankungen der Niere und Leber sollten Sie besonders vorsichtig sein.
  • Doxycyclin (zahlreiche Handelsnamen)
    Doxycyclin ist ein altbewährtes Antibiotikum und seit Jahrzehnten im Einsatz. Es eignet sich zur Langzeiteinnahme und ist zudem sehr kostengünstig. Die Einnahme muss ein bis zwei Tage vor der Ausreise beginnen und bis vier Wochen nach der Rückkehr erfolgen. Nebenwirkungen sind hier ebenso Magen-Darm-Störungen wie Übelkeit, Magendruck, Sodbrennen, Brechreiz, Erbrechen und Blähungen. Die Einnahme kann zu Pilzinfektionen, einer Sonnensensibilisierung der Haut und – in seltenen Fällen – zu neurologischen Nebenwirkungen führen. Kinder sollten dieses Medikament nicht vor dem 10. Lebensjahr einnehmen.
  • Mefloquin (Handelsname bisher Lariam®)
    Dieses Medikament wird heute aufgrund der möglichen neurologisch-psychiatrischen Nebenwirkungen nur noch selten verschrieben und ist von der bisherigen Herstellerfirma Roche vom Markt genommen worden. Es kann von Schwangeren und Personen, die es in der Vergangenheit schon gut vertragen haben, dennoch genommen werden. Zahlreiche Wechselwirkungen, Nebenwirkungen auf das Herz und besondere Vorsichtsmaßnahmen wie das Ausstellen eines Patientenpasses erschweren jedoch die Anwendung. Die Einnahme sollte nur einmal wöchentlich und frühestens eine Woche vor der Ausreise erfolgen. Zu empfehlen ist hierbei eine Testphase von drei Wochen, wenn noch keine Erfahrungen mit dem Präparat vorhanden sind. Menschen mit neurologisch-psychiatrischen Erkrankungen sollten dieses Medikament strengstens meiden.[2]

Die Medikamente werden teilweise nicht nur zur Vorbeugung, sondern sogar zur Behandlung von Malaria verwendet. Bei guter Beratung und richtiger Auswahl ist es eigentlich immer möglich, eine passende und verträgliche Vorsorge zu finden. Homöopathische Arzneimittel („Nosoden“) und Tees auf pflanzlicher Basis sind nicht ausreichend wirksam. Ihre Prophylaxe sollten Sie nicht vor Ort kaufen, da gerade in den Tropen häufig Fälschungen oder gestreckte Medikamente angeboten werden.

Anmerkung

Die Darstellung der Nebenwirkungen und Anwendungsbeschränkungen ist nicht vollständig. Vor Anwendung der Medikamente ist immer eine ärztliche Beratung einzuholen. Neben Vorerkrankungen ist auch die Einnahme anderer Medikamente bei der Auswahl der individuell richtigen Prophylaxe zu berücksichtigen.

Die perfekte Prophylaxe gegen Malaria-Übertragung?

Bei aller Vorsorge verbleibt ein Restrisiko, dennoch an Malaria zu erkranken. Dieses kann durch Fehler bei der Einnahme, Erbrechen der Tabletten oder durch zu frühes Absetzen der Malariaprophylaxe erfolgen. Zudem sind Resistenzen der Erreger gegen die verwendeten Präparate überall auf der Welt möglich und nicht immer vorhersehbar. Daher müssen Sie bei allgemeinen Krankheitssymptomen, Fieber, Gliederschmerzen, Kopfweh oder Schüttelfrost stets die Möglichkeit im Hinterkopf behalten, sich mit Malaria infiziert zu haben. Sie sollten sich dann unbedingt ärztlich untersuchen lassen.

Da unter einer teilwirksamen Vorbeugung die Malariaerkrankung langsamer und anfangs weniger schwer verläuft, lässt sich in den meisten Fällen rechtzeitig ein Arzt aufsuchen – im Gegensatz zur „ungebremst“ anlaufenden Malaria. Bei der Analyse der nach Deutschland importierten Malariafälle ist klar erkennbar: Die Mehrzahl der Reisenden erkrankt vor allem, weil sie keine oder eine fehlerhafte Prophylaxe durchgeführt hat.

Tipp: Wenn Sie sich umfassend über das Thema Malaria informieren möchten, dann lesen Sie auch unsere Artikel zur Verbreitung von Malaria, ihrem Krankheitsverlauf und zur Therapie von Malaria . Sie planen eine Fernreise und wollen mehr über Malaria und andere Reisekrankheiten in risikoreichen Ländern erfahren? Dann werfen Sie einen Blick in unseren kostenlosen Travel Guide, in dem Dr. Hinrich Sudeck über Reisen in Länder mit besonderen gesundheitlichen Risiken aufklärt[3].

Info

Dr. med. Hinrich Sudeck, Jahrgang 1956, ist Internist und Tropenmediziner und war von 1990 bis 2007 Assistenzarzt und leitender Oberarzt am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Er leitete von 2010 bis 2015 den Fachbereich Tropenmedizin der Bundeswehr in Hamburg und absolvierte als Soldat Einsätze in Afghanistan, Mali und in Liberia im Rahmen der Ebolabekämpfung, nachdem er bereits seit 2003 als WHO-Experte für den Umgang mit hochansteckenden Viruskrankheiten tätig war. Neben vielen Reisen in tropische Länder hat er vier Jahre in Ghana und Nigeria gelebt und gearbeitet.

Quellennachweise

  1. https://www.test.de/Mueckenmittel-Nur-4-von-21-schuetzen-gut-4708290-4708323/
  2. Informationen zur langjährigen Diskussion um das Arzneimittel Mefloquin: https://de.wikipedia.org/wiki/Mefloquin
  3. Hinweis: Die Unterlagen können keine individuelle reisemedizinische Beratung durch einen Mediziner ersetzen.