Die U5-Untersuchung für Ihr Baby: Das wird gemacht

Haben Sie auch die Vermutung, dass Ihr Baby in seiner ganz eigenen Sprache mit Ihnen spricht? Das kann gut sein, denn häufig fangen Babys mit einem halben Jahr an zu „brabbeln“. Aber nicht nur das – Ihr Baby freut sich, wenn Sie ins Zimmer kommen und reagiert mit einem Lachen, wenn Sie es necken. So langsam wird es auch richtig beweglich und mobil, vielleicht kann es sich sogar schon zu seinem Lieblingsspielzeug rollen? Alle diese Veränderungen bedeuten: Es ist Zeit für einen erneuten Check des Entwicklungsstandes in der U5-Untersuchung.

Die U5-Untersuchung ist Teil des Vorsorgeprogramms für Kinder und findet ein halbes Jahr nach der Geburt statt. Der Kinderarzt konzentriert sich hier vor allem auf die geistigen Fähigkeiten und die Sinne Ihres Babys und stellt fest, ob sich Ihr Kind altersgerecht entwickelt. Hat es Meilensteine wie das Drehen vom Bauch auf den Rücken schon gemeistert? Ist es groß genug für sein Alter? Um das herauszufinden, führt der Arzt nicht nur Routinemessungen durch, sondern beschäftigt sich auch spielerisch mit Ihrem Baby.

Anamnese in der U5-Untersuchung: Was ist Ihnen bei Ihrem Baby aufgefallen?

Anamnese Ihres Kindes

Eine Anamnese gehört auch dieses Mal zu der U-Untersuchung dazu. Ihr Arzt befragt Sie zum Gesundheitszustand Ihres Babys sowie zu Erkrankungen, zur Ernährung und Verdauung. Außerdem möchte er wissen, ob Ihr Kind auffällig schreit und gut hört. Falls es bisher noch nicht durchgeführt wurde, bietet er Ihnen erneut das Neugeborenen-Hörscreening – den ersten ausführlichen Hörtest – an.

Sozialanamnese

Bei der Sozialanamnese geht es um die Betreuungssituation Ihres Kindes und mögliche Belastungen. Der Arzt nimmt sich Zeit für ein offenes und vertrauliches Gespräch. Hat Ihr Kind zum Beispiel Schlafprobleme und fühlen Sie sich aufgrund der vielen durchwachten Nächte überlastet? Zögern Sie nicht, solche Sorgen anzusprechen – Ihr Kinderarzt steht Ihnen bei allen Problemen beratend zur Seite.

Beurteilung der Entwicklung in der U5-Untersuchung: Die ersten Worte

Im Mittelpunkt aller Vorsorgeuntersuchungen steht immer die Frage danach, ob sich Ihr Baby so entwickelt, wie es für sein Alter typisch ist. In der U5 untersucht der Arzt vor allem, wie gut Ihr Kind bereits seinen Körper beherrscht. Seit der letzten U-Untersuchung hat es sicher schon weitere Fortschritte gemacht. Übrigens: Eine kleine Abweichung vom „Standard” ist kein Grund zu übermäßiger Sorge. Jedes Baby entwickelt sich individuell und oft passt es sich wenige Wochen später an die altersgemäße Entwicklung an.

Grobmotorik

In der U5-Untersuchung beobachtet Ihr Kinderarzt, ob Ihr Baby sich in Bauchlage auf die Unterarme stützen kann. Bei der sogenannten Traktionsreaktion zieht er Ihr Baby an beiden Armen aus der Rückenlage nach oben.[1] In diesem Alter beugt es dabei die Arme und lässt den Kopf nicht nach hinten hängen, sondern kann ihn aufrecht halten. Außerdem kann es schon mit den Beinen federn.

Feinmotorik

Auch bei der Feinmotorik hat Ihr Kind bereits viel dazu gelernt: Inzwischen kann es greifen. Zunächst greift es eher mit der ganzen Handfläche (palmar), aber mit der Zeit immer mehr mit dem Daumen (radial).[2]

Sprache

In der U5-Untersuchung überprüft Ihr Kinderarzt zum ersten Mal die Sprache Ihres Babys. Ihr Kind fängt in diesem Alter an, rhythmische Silben wie z.B. ge-ge-ge oder dei-dei-dei zu bilden.

Perzeption/Kognition

Ihr Baby beginnt nun, seine Umgebung mit dem Mund zu erforschen. Gegenstände, z. B. Spielzeuge, greift Ihr Kind mit beiden Händen, steckt sie in den Mund und nagt daran, anstatt sie genauer zu betrachten. Genau dieses Verhalten beobachtet Ihr Kinderarzt.

Soziale/emotionale Kompetenz

Möglicherweise haben Sie selbst schon beobachtet, dass sich Ihr Baby bei Ihnen anders verhält als bei fremden Personen. Das ist ganz normal, denn in diesem Alter kann es zwischen vertrauten und fremden Personen unterscheiden. Ihr Arzt untersucht außerdem, ob Ihr Baby lacht, wenn es geneckt wird, und ob es sich erkennbar über andere Kinder freut.

Beobachtung der Interaktion

Wie bereits in der beobachtet Ihr Kinderarzt die Interaktion zwischen Ihnen und Ihrem Baby.

  • Stimmung/Affekt:
    Ist Ihr Baby in Ihrer Gegenwart zufrieden und ausgeglichen? Bleibt es offen und Ihnen zugewandt, wenn Sie mit ihm sprechen? Freut es sich, wenn es Sie nach kurzer Abwesenheit wiedersieht? Alle diese Dinge beobachtet und überprüft der Arzt.
  • Kontakt/Kommunikation:
    Hier geht es zunächst um den Blickkontakt zwischen Ihnen und Ihrem Kind. Außerdem kontrolliert der Arzt, ob Ihr Baby auf eine Ansprache mit einem Lächeln oder dem Wenden des Kopfes reagiert und selbst Signale durch Mimik oder Gestik sendet.
  • Regulation/Stimulation:
    In diesem Punkt kann Ihr Baby nun etwas mehr als bei der letzten Untersuchung. Es geht auf ein Wechselspiel mit Ihnen ein (z. B. mit den Fingern) und kann seine Gefühle (z. B. Enttäuschung) selbst regulieren. Außerdem untersucht Ihr Arzt, ob es angemessen auf laute Geräusche, helles Licht und Berührung reagiert.

Die körperliche Untersuchung: Alles längst Routine für Sie

Größe und Kopfumfang

Auch bei der U5-Untersuchung wiegt der Kinderarzt Ihr Baby und misst die Körperlänge sowie den Kopfumfang, um zu kontrollieren, ob es seinem Alter entsprechend gewachsen ist. 

Kopf

Erneut untersucht Ihr Kinderarzt den Kopf Ihres Babys auf Fehlhaltungen und andere Auffälligkeiten. Auch die Fontanelle (Knochenlücke am Kopf) sollte noch geöffnet sein, denn das Gehirn Ihres Kindes ist noch im Wachstum.

Sinnesorgane

Bereits in der U4-Untersuchung hat der Arzt den sogenannten Brückner-Test durchgeführt, um die Augen Ihres Babys zu untersuchen. Auch jetzt leuchtet er aus verschiedenen Abständen in die Augen Ihres Kindes und kontrolliert die Reflektion des Lichtes durch die Linsen. Denn anhand der Reflektion kann Ihr Arzt auf verschiedene Fehlsichtigkeiten schließen. Außerdem testet er, ob Ihr Kind einem geräuschlosen, auffälligen Gegenstand (z. B. einer Lichtquelle) mit den Augen folgen kann.

Mundhöhle, Kiefer und Nase Ihres Babys untersucht Ihr Kinderarzt ein weiteres Mal auf Verletzungszeichen oder einen fehlenden Mundschluss.

Haut

Auch die Haut Ihres Babys kontrolliert der Arzt auf Verletzungen, um entzündliche Hautveränderungen auszuschließen. Außerdem achtet er darauf, dass Ihr Kind nicht zu blass ist.

Brust-, Bauch- und Geschlechtsorgane

Atmung, Herzschlag und die Arterienpulse (Fermoralispulse) Ihres Babys stehen hier im Fokus. Außerdem tastet der Arzt Milz und Leber ab. Bei Jungen überprüft er weiterhin, ob beide Hoden im Hodensack liegen, um einen sogenannten Hodenhochstand auszuschließen. Dieser tritt bei ca. drei Prozent der neugeborenen Jungen und besonders bei Frühchen auf.[3]

Skelettsystem mit Muskeln und Nerven

Zuletzt untersucht Ihr Kinderarzt den gesamten Körper Ihres Babys, um Asymmetrien und Schiefhaltungen auszuschließen. Er überprüft die Muskelspannung, die Spontanmotorik und die passive Beweglichkeit der großen Gelenke mithilfe von Reflexen. Außerdem untersucht er mögliche klinische Frakturzeichen – das bedeutet, er schaut, ob Ihr Kind in einem bestimmten Skelettbereich eine auffällige Beweglichkeit, Schmerzen, Hämatome oder Funktionsstörungen zeigt.

Beratung nach der U5-Untersuchung – Zahnarzt, Impfungen und Co.

Abschließend klärt Ihr Kinderarzt Sie auch bei der U5-Untersuchung zu wichtigen Themen wie Ernährung, Schlaf, Sprache und Unfallverhütung auf. Er wird Sie auf regionale Unterstützungsangebote hinweisen und Sie nach möglichen Sorgen und Problemen fragen. Nutzen Sie dieses Beratungsangebot, um alles anzusprechen, was Ihnen auf der Seele liegt. Ihr Arzt wird sich genügend Zeit für Sie nehmen. Er erklärt Ihnen außerdem, wie Sie Ihr Baby ausreichend vor der Sonne schützen können und gibt nützliche Hinweise zur Mundhygiene. Falls Auffälligkeiten an Zähnen und Schleimhaut vorhanden sind, wird er Sie an einen Zahnarzt verweisen.

Impfungen

In der U4-Untersuchung wurden bereits die ersten Schutzimpfungen empfohlen und eventuell bereits durchgeführt. Nun überprüft Ihr Arzt diese und wird Ihnen gegebenenfalls mitteilen, welche Impfungen noch fehlen. Eine Übersicht über alle empfohlenen Schutzimpfungen finden Sie auch auf der Seite der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts.[4]

Prophylaxe

Am Ende der U5-Untersuchung gibt Ihr Kinderarzt Ihrem Baby Fluorid zur Kariesprophylaxe und Vitamin D zur Rachitisprophylaxe. Damit schließt er das Vorsorgeprogramm bis zur nächsten U-Untersuchung ab.

Die U5-Untersuchung auf einen Blick

 

Quellennachweise

  1. Berthold Koletzko (Hrsg.), Kinder- und Jugendmedizin, 14. Auflage, Springer Medizin, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2013.
  2. Hans G. Schlack, Motorische Entwicklung im frühen Kindesalter, 2012. Verfügbar unter: https://www.kita-fachtexte.de/uploads/media/KiTaFT_SchlackIII_MotEntw_2012.pdf, abgerufen am 13.02.2018.
  3. Berthold Koletzko (Hrsg.), Kinder- und Jugendmedizin, 14. Auflage, Springer Medizin, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2013.
  4. Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut, https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Impfempfehlungen_node.html.