Keine Zeit verlieren: Den Grünen Star rechtzeitig behandeln

Weltweit leiden etwa 70 Millionen Menschen am Grünen Star[1] – einer Augenerkrankung, die ohne Behandlung zum Erblinden führen kann. Doch nur die Hälfte der Betroffenen weiß von ihrer Erkrankung.[2] Das Gefährliche daran: Spürbare Symptome treten häufig erst auf, wenn schon ein Teil der Sehkraft verloren ist.

Was die Diagnose Grüner Star bedeutet, warum die Krankheit so tückisch ist und wie man den Grünen Star behandeln kann, erfahren Sie in unserem Artikel.

Was ist der Grüne Star?

Der Grüne Star, fachsprachlich Glaukom genannt, ist eine Augenerkrankung, die unbehandelt zu einem Verlust der Nervenfasern des Sehnervs führen kann. Die mögliche Folge: Eine irreversible Sehminderung, die bis zur Erblindung führt. Es können beide Augen gleichzeitig oder zeitlich versetzt (im Abstand von zwei bis fünf Jahren) betroffen sein.

Der Grüne Star darf übrigens nicht mit seinem Namensvetter, dem Grauen Star, verwechselt werden. Patienten des Grauen Stars können sich in aller Ruhe auf eine erfolgversprechende Operation vorbereiten. Die Heilungschancen stehen auch langfristig gut. Anders beim Grünen Star: Hier spielt die Zeit eine viel wichtigere Rolle, da die zunehmende Schädigung des Sehnervenkopfes (die Stelle, an der der Sehnerv in die Netzhaut übergeht) unumkehrbar ist.

Ursachen für den Grünen Star

Für die Schädigung des Sehnervenkopfes können ein erhöhter Augeninnendruck und/oder eine Durchblutungsstörung des Sehnervs verantwortlich sein. Die Nervenfasern werden dabei unwiederbringlich geschädigt. Wie kommt es dazu?

Die vordere Augenkammer, also der Bereich zwischen Hornhautrückseite und Iris (Regenbogenhaut), ist mit Kammerwasser gefüllt. Diese Flüssigkeit wird im Ziliarkörper (Abschnitt der Augenhaut) produziert und fließt von dort aus durch die Pupille. Das Kammerwasser versorgt die Augenlinse und die Hornhaut mit Nährstoffen und hält die Form des Augapfels aufrecht. Während das Kammerwasser den Augeninnendruck aufbaut, reguliert der Abfluss den Druck: Über den Kammerwinkel am Rand der Iris fließt der Großteil des Kammerwassers in den Blutkreislauf ab. Im Normalzustand sind Produktion und Abfluss der Flüssigkeit ausgeglichen. Der übliche Augeninnendruck liegt zwischen 10 und 21 mm Hg (mm Hg = Torr/Millimeter-Quecksilbersäule, Einheit zur Messung des Drucks von Körperflüssigkeiten).

Ein Problem entsteht, sobald das Verhältnis zwischen Augeninnendruck und Blutdruck im Sehnerv gestört ist. Meist passiert das, weil die Poren der Abflusskanälchen verstopfen. Dann kann das Kammerwasser nicht ablaufen und übt zunehmend Druck auf den Sehnervenkopf aus. Hat der Blutdruck im Sehnerv dem erhöhten Augeninnendruck nichts entgegenzusetzen, kommt es zu einer verschlechterten Durchblutung des Sehnervenkopfes. Hält dieser Zustand an, wird der Sehnerv dauerhaft beschädigt und das Sehvermögen nimmt ab. Die Schädigung beginnt bei den Nervenfasern und schreitet weiter zum Zentrum des Sehnervenkopfes fort.

Info

Wichtig zu wissen: Neben dem Grauen Star ist der Grüne Star einer der häufigsten Gründe für das Erblinden.[3] Im fortgeschrittenen Verlauf wird der Kopf des Sehnervs immer weiter ausgehöhlt. Es kommt zu Gesichtsfeldausfällen, da die Übertragung der Seheindrücke beeinträchtigt ist. Allein in Deutschland leiden rund eine halbe Million Menschen an erhöhtem Augeninnendruck, der zum Grünen Star führen kann. Einem Zehntel dieser Menschen droht die unumkehrbare Erblindung.[4] Ebenso erschreckend ist die Dunkelziffer. Ärzte schätzen, dass in Deutschland etwa eine Million Menschen an einem Glaukom leiden, ohne es zu wissen.[5] Denn die Symptome des Grünen Stars zeigen sich erst im späten Verlauf der Krankheit – dann, wenn bereits ein großer Teil der Sehkraft unwiederbringlich verloren ist.

Formen des Grünen Stars

Grundsätzlich wird zwischen primären und sekundären Glaukomen unterschieden. Anatomisch gesehen erfolgt die weitere Einteilung in Offenwinkel- und Engwinkel-Glaukome.

Primäres und sekundäres Glaukom

Primäre Glaukome treten plötzlich und ohne erkennbare Ursache auf. Sekundäre Glaukome sind hingegen die Folge einer bereits bestehenden Augenerkrankung oder eine unerwünschte Nebenwirkung eines Medikaments. Auch ärztliche Eingriffe und Traumatisierungen kommen als Auslöser infrage. Auf dieser Grundlage lassen sich folgende Typen des Grünen Stars identifizieren:

Offenwinkelglaukom

Das primäre Offenwinkelglaukom ist die häufigste Form des Grünen Stars. Über 90 Prozent der Patienten leiden unter einem Glaukom, bei dem die Abflusskanäle versperrt sind.[6] Das Kammerwasser kann nicht abfließen, der Augeninnendruck steigt und es kommt zu einer gefährlichen Durchblutungsstörung. Die primäre Form kann als chronische Erkrankung meist ab dem 40. Lebensjahr auftreten. Ist ein Offenwinkelglaukom angeboren, so ist dies häufig auf eine Rötelinfektion der Mutter während der Schwangerschaft zurückzuführen.

Eine spezielle Form der sekundären Offenwinkelglaukome ist das PEX-Glaukom, bei dem der Abfluss des Kammerwassers durch feine Ablagerungen im Kammerwinkel und an der Linse behindert wird. Dabei kann es zu extremen Steigerungen des Augeninnendrucks kommen.

Engwinkelglaukom

Eine seltene Form des Glaukoms ist das Engwinkelglaukom. Hier besteht eine Engstelle zwischen Hornhaut und Iris, sodass der Zugang zum Abfluss versperrt ist. Der Innendruck steigt kontinuierlich an. Es kann zu einem schmerzhaften Glaukomanfall kommen, der ohne umgehende Behandlung zur Erblindung führt. Achtung: Hierbei handelt es sich um einen Notfall.

Info

Ein Glaukomanfall kann in der primären oder sekundären Form auftreten. Hierbei wird der Kammerwinkel und damit der Abfluss des Kammerwassers durch die Regenbogenhaut verschlossen. Das Resultat ist eine deutliche Druckerhöhung, die am Augapfel spürbar ist. Wenn Sie diese bei sich bemerken, sollten Sie so bald wie möglich einen Arzt aufsuchen – eine sofortige Behandlung ist erforderlich. Außerdem sollten Sie auf folgende Begleiterscheinungen achten:

  • Das Auge fühlt sich hart an
  • Dumpfe Schmerzen im und am Auge
  • Erweiterte Pupille
  • Erbrechen
  • Augenschmerzen
  • Gerötete Augen
  • Plötzlicher Sehverlust
  • Übelkeit

Neovaskularisationsglaukom

Das häufigste sekundäre Glaukom ist ein Grüner Star mit Gefäßneubildungen (Neovaskularisationsglaukom). Diese Neubildungen entstehen durch einen chronischen Sauerstoffmangel nach Gefäßverschlüssen im Auge. Häufiger Auslöser hierfür: Die Zuckerkrankheit Diabetes. Eine dauerhafte Blutzuckererhöhung schädigt die Blutgefäße, verschlechtert die Durchblutung und macht Gefäßverschlüsse möglich. Darauf reagiert die Netzhaut mit der Bildung neuer, meist bauchiger Gefäße, die sich von normalen Blutgefäßen unterscheiden. Sie wachsen in den Kammerwinkel und die Regenbogenhaut ein. Dadurch wird der Abfluss des Augenwassers gestört. Außerdem können die neuen Gefäße leichter platzen und eine Blutung verursachen.

Weitere Formen von sekundären Glaukomen:

  • Glaukom bei Entzündungen
  • Glaukom nach Verletzungen, Operationen und Traumata
  • Glaukome durch Tumore
  • Glaukome durch Medikamente
  • Selten: Pigmentglaukom (durch eine Überproduktion und Ausschwemmung von Pigment)
  • Selten: angeborene Glaukome

Symptome

Ein akutes Glaukom, wie das Engwinkelglaukom, macht sich vor allem durch folgende Beschwerden bemerkbar:

  • Rötung des Auges
  • Augen- und Kopfschmerzen
  • Sehverschlechterung
  • Übelkeit/Erbrechen

Beachten Sie: Alle anderen Formen des Grünen Stars (Ausnahme: Das angeborene Glaukom) bleiben erst einmal symptomfrei, da die Augendruckerhöhung nicht schmerzhaft ist. Die Gesichtsfeldausfälle entstehen und schreiten langsam voran.

Risikofaktoren für den Grünen Star

Erst, wenn bereits ein Großteil der Sehnervenfasern betroffen ist, entstehen Einschränkungen im mittleren Gesichtsfeld – meist sind dann bereits 40 Prozent des Sehnervs geschädigt.[7] Selbst diese Gesichtsfeldausfälle nehmen Betroffene häufig nicht wahr. Das macht die Früherkennung schwer. Die Chancen, den Grünen Star erfolgreich behandeln zu können, sinken. Beachten Sie daher die wichtigsten Risikofaktoren:

  • Familiäre Vorbelastung:
    Leiden Verwandte (insbesondere ersten Grades, also Eltern oder Geschwister) unter der Krankheit, steigt Ihr Risiko um das Drei- bis Neunfache.
  • Niedriger oder stark schwankender Blutdruck
  • Erhöhter Augeninnendruck
  • Starke Kurz- oder Weitsichtigkeit
  • Dunkle Hautfarbe (fünf- bis sechsfach höheres Risiko als bei Menschen mit heller Hautfarbe)
  • Erkrankungen: Zuckerkrankheit (Diabetes), Arterienverkalkung (Arteriosklerose) oder Herz-/Kreislauferkrankungen (niedriger und hoher Blutdruck, Blutdruckschwankungen)
  • Fortgeschrittenes Alter:
    Ab dem 50. Lebensjahr verdoppelt sich das Risiko mit jedem Lebensjahrzehnt.[8]

Übrigens: Die Diagnose Grüner Star ist ein guter Grund, um mit dem Rauchen aufzuhören. Denn Nikotin kann sich negativ auf die Durchblutung des Sehnervs auswirken.

Das A und O für eine erfolgreiche Behandlung: Früherkennung und Diagnose

Zur Früherkennung wird im Rahmen einer Routineuntersuchung der Augeninnendruck gemessen und ein Sehtest durchgeführt. Die Ergebnisse dienen als erste Indikatoren.

Auch wenn diese Tests eine große Rolle spielen und erste Hinweise geben können, sie reichen zur Diagnose eines Grünen Stars nicht aus. Denn die Krankheit ist durch die Schädigung des Sehnervs gekennzeichnet. Das bedeutet, auch Patienten mit einem normalen Augendruck von beispielsweise 15, 18 oder 20 mm Hg können an einem Glaukom leiden. Bei einem verminderten Sehvermögen kommen ebenfalls mehrere Ursachen und Krankheitsbilder infrage.

Ausschlaggebend ist neben einer ausführlichen Anamnese also die Beurteilung des Sehnervs. Dazu wendet der Augenarzt einen sogenannten „Sehnerv-Check“, eine Ophthalmoskopie des Sehnervenkopfes, an. Dabei beurteilt er die Sehnervenscheibe am Augenhintergrund durch die Pupille. Diese Untersuchung könnte laut dem Berufsverband der Augenärzte Deutschlands[9] 90 Prozent der Betroffenen vor einer Verschlimmerung retten.[10]

Info

Weitere Untersuchungen, die zur Bestätigung des Verdachts auf den Grünen Star dienen:

  • Gesichtsfeldmessung: Untersuchung auf Gesichtsfeldausfälle
  • Augenspiegelung mittels Spaltlampe: Beurteilung des Kammerwinkels mit einem sogenannten Dreispiegelglas und Beurteilung des Sehnervenkopfes mit einer speziellen Lupe
  • Gonioskopie: Beurteilung der Weite und eventueller Anomalien des Kammerwinkels (mit der Spaltlampe kann der Kammerwinkel nur indirekt eingesehen werden) .

Werden die Kosten für die Vorsorge übernommen?

Eine Glaukom-Früherkennung kann entscheidend sein. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten meist nur, wenn bereits ein Verdacht besteht. Viele Augenärzte bieten den Check-up als sogenannte individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) an. Mit einer privaten Zusatzversicherung können Sie sich jedoch vor hohen Kosten schützen: Mit dem Envivas Tarif Praxis Top sichern Sie sich zum Beispiel eine 80-prozentige Erstattung der Vorsorgeuntersuchungen, begrenzt auf 400 Euro innerhalb von zwei aufeinanderfolgenden Kalenderjahren. Wurde die Diagnose Glaukom gestellt, zahlen die gesetzlichen Krankenkassen.

Tipp

Wer zur Risikogruppe gehört, sollte sich laut Berufsverband der Augenärzte bereits ab 30 Jahren einer jährlichen Glaukom-Vorsorge unterziehen.[11] Generell ist eine Untersuchung spätestens ab dem 40. Lebensjahr empfehlenswert. Patienten, die eine Augenverletzung erlitten haben, sollten sogar jedes Jahr ihren Augeninnendruck messen lassen. Ab einem Alter von 60 Jahren empfiehlt sich eine Kontrolle alle ein bis zwei Jahre.

 

Quellennachweise

  1. Deutsches Ärzteblatt, „Aktion Sehnerv-Check“ gegen glaukombedingtes Erblinden, 2003, 100(19), https://www.aerzteblatt.de/archiv/36806/Aktion-Sehnerv-Check-gegen-glaukombedingtes-Erblinden,
  2. Universitätsklinikum Frankfurt, Glaukom/Grüner Star, http://www.uni-augenklinik-frankfurt.de/patienten/glaukom_gruener_star/.
  3. Silvio Mariotti, Global Data on Visual Impairments 2010, WHO 2012, abrufbar unter http://www.who.int/blindness/GLOBALDATAFINALforweb.pdf.
  4. Stellungnahme der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft zur Glaukomvorsorge, http://www.dog.org/wp-content/uploads/2009/08/Glaukomvorsorge-Stand-August-20121.pdf; für eine groß angelegte klinische Studie siehe auch M. Kass et al, The Ocular Hypertension Treatment Study: a randomized trial determines that topical ocular hypotensive medication delays or prevents the onset of primary open-angle glaucoma, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12049574.
  5. Augenärztegenossenschaft Brandenburg e.G., Glaukom, http://www.aaegb.de/htdocs/patInfo_ak.php?ak_id=20.
  6. Medizinlexikon, Primär chronisches Offenwinkelglaukom, http://flexikon.doccheck.com/de/Prim%C3%A4r_chronisches_Offenwinkelglaukom.
  7. Hans-Dieter Klimm et al, Essentials – Intensivkurs zur Weiterbildung: Allgemeinmedizin, Thieme E-Books 2017, S. 451.
  8. Public Health, Weltglaukomtag 2017: Was haben Bono Vox, Whoopi Goldberg und Wolfram Pirchner gemeinsam?, Pressegespräch, http://www.publichealth.at/portfolio-items/weltglaukomtag-2017/.
  9. Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e. V., http://cms.augeninfo.de/hauptmenu/startseite.html.
  10. Susanne Schmid (Berufsverband der Augenärzte), Der Sehnerv-Check: Effektiver Schutz vor dem Erblinden, https://www.apotheken.de/news/article/der-sehnerv-check/.
  11. Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e. V., Die wichtigsten Vorsorgeuntersuchungen, http://cms.augeninfo.de/hauptmenu/gesunde-augen/gute-sicht-im-alter/die-wichtigsten-vorsorgeuntersuchungen.html.