Ab zum TÜV, Mann!

Arztbesuch eines Mannes – eine Vorsorgeuntersuchung

von Anke Brodmerkel

Vorsorgeuntersuchungen scheinen gerade bei Männern nicht sonderlich beliebt zu sein. Kein Wunder: Wer denkt schon gerne ans Kranksein, wenn man sich alles in allem recht gesund fühlt? Doch auch – und vielleicht sogar insbesondere – für das sogenannte starke Geschlecht ist es richtig und sinnvoll, auf die eigene Gesundheit ausreichend zu achten.

Ein echter Mann kennt keinen Schmerz. Wird erst recht nicht krank. Und so lange der Körper zu funktionieren scheint, sei es im Job, beim Sport oder beim Sex, besteht ja wohl kein Grund, zum Arzt zu gehen. Oder doch? Und denken Männer wirklich so? Übersehen sie vielfach die Warnsignale ihres Körpers? Und gehen sie tatsächlich lieber mit ihrem Auto zum TÜV als zur Vorsorgeuntersuchung, wie es ein altes Klischee beschreibt?

Nur vier von zehn Männern nutzen die Krebsfrüherkennung

Manche Zahlen deuten zumindest darauf hin, dass dem so ist. So zeigt eine Erhebung des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) aus dem Jahr 2016, dass zwar mehr als 75 Prozent der Männer hierzulande die Angebote der gesetzlichen Krankenkassen zur Krebsfrüherkennung kennen. Doch gerade einmal 40 Prozent nutzen sie auch entsprechend. Zum Vergleich: Unter den Frauen sind es immerhin 67 Prozent, die regelmäßig zur Krebsvorsorge gehen.

Bei den Themen Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes und Nierenerkrankungen sieht es dem RKI zufolge nicht viel besser aus. Wie das Institut im Jahr 2015 ermittelt hat, gehen nur knapp 49 Prozent der Frauen regelmäßig zum Gesundheitscheck, der eine Früherkennung der genannten Krankheiten zum Ziel hat. Unter den Männern sind es allerdings noch weniger: Nur rund 45 Prozent von ihnen nehmen das Angebot wahr.

Und das, obwohl Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zufolge die häufigste Todesursache der Männer in Deutschland sind. Zu den verbreitetsten Krankheiten gehören laut der BZgA Bluthochdruck, die koronare Herzerkrankung und chronisches Herzversagen. Vor allem Bluthochdruck bleibt ohne entsprechende Messung meist unerkannt. 

Männer rauchen kaum noch häufiger als Frauen

Sind die meisten Männer hierzulande also echte Gesundheitsmuffel? „Aus meiner Erfahrung kann ich das eigentlich nicht bestätigen“, sagt die Internistin Dr. Elisabeth Kramer-Toussaint, die am Check-up-Zentrum Skolamed auf dem Petersberg bei Bonn seit vielen Jahren speziell für Führungskräfte umfassende Vorsorgeuntersuchungen anbietet – die über das gesetzlich verankerte Programm zur Früherkennung von Krankheiten weit hinausgehen.

„Die allermeisten männlichen Teilnehmer unserer Angebote leben durchaus gesundheitsbewusst und setzen unsere Empfehlungen auch gerne um“, sagt Kramer-Toussaint. Zudem sieht die Ärztin so etwas wie eine Trendwende in den vergangenen Jahren. „Zahlen des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen zeigen zum Beispiel, dass im Jahr 2002 nur rund 12 Prozent aller Männer das Angebot der Krankenkassen zur Früherkennung von Prostatakrebs in Anspruch genommen haben“, sagt sie. „2016 waren es schon fast 25 Prozent.“ Bei den Frauen, die regelmäßig zur Brustkrebsvorsorge gehen würden, sei die Quote in diesem Zeitraum hingegen stabil geblieben.

„Auch in anderen Bereichen als der Früherkennung tun die meisten Männer inzwischen offenbar mehr für ihre Gesundheit“, sagt Kramer-Toussaint. „Zum Beispiel gibt es unter unseren männlichen Teilnehmern mittlerweile kaum noch Raucher.“ Dem Epidemiologischen Suchtsurvey 2018 zufolge nähern sich die Zahlen der Raucher zwischen Männern und Frauen zudem immer mehr an. In der Gruppe der 25- bis 29-Jährigen gab es im vergangenen Jahr sogar mehr weibliche als männliche Raucher. Darüber hinaus würden – zumindest bei Skolamed – gerade die Männer zunehmend auf ihren Lebensstil achten, was sich dann in einer verbesserten körperlichen Fitness und einer bewussteren Ernährung zeige, fügt Kramer-Toussaint hinzu.

Eine frühe Diagnose verspricht meist bessere Heilungschancen

Programme zur Früherkennung umfassen inzwischen eine ganze Reihe von Krankheiten. Zum einen geht es bei Männern wie Frauen gleichermaßen um die großen Volksleiden Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes – die beide unter anderem durch Übergewicht und mangelnde Bewegung begünstigt werden können. Bei den Krebsleiden wird bei Männern nach der häufigsten bösartigen Tumorerkrankung des Mannes, dem Prostatakarzinom, sowie nach Haut- und Darmkrebs oder Vorstufen davon gefahndet.

Keine sinnvollen Vorsorgeuntersuchungen gibt es dagegen bislang für die zweithäufigste Krebsart bei Männern: Den Lungenkrebs, der bekanntlich vor allem durchs Rauchen ausgelöst wird. Selbst wer plant, künftig alle angebotenen Früherkennungsmaßnahmen gewissenhaft in Anspruch zu nehmen, muss deswegen nicht befürchten, von nun an alle paar Wochen beim Arzt zu sitzen. Sämtliche Vorsorgeuntersuchungen sind, solange dabei keine auffälligen Ergebnisse zum Vorschein kommen, höchstens einmal im Jahr erforderlich. Die meisten deutlich seltener, da sich viele der untersuchten Krankheiten nur sehr langsam entwickeln.

„Die Tests und Untersuchungen haben in der Praxis gezeigt, dass sie dazu beitragen können, sowohl das Auftreten der entsprechenden Krankheiten einzudämmen als auch die Sterblichkeit infolge dieser Erkrankungen möglicherweise zu reduzieren“, sagt Kramer-Toussaint. Das liegt insbesondere daran, dass mithilfe der Vorsorgeuntersuchungen eine sich gerade erst entwickelnde Krankheit oft noch verhindert werden kann und zudem die Heilungschancen bei einer frühen Diagnose meist deutlich besser sind. Von daher könne sie jedem Mann nur raten, das für Angebot auch in Anspruch zu nehmen, sagt die Skolamed-Ärztin.

Ein PSA-Test kann helfen, Prostatakrebs frühzeitig zu erkennen 

Darüber hinaus hält die Vorsorgeexpertin insbesondere zwei Untersuchungen für sinnvoll, die für die meisten Männer – Ausnahmen bilden Versicherte mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko – nur als sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) angeboten werden und damit nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören. Das ist zum einen der PSA-Test, mit dessen Hilfe ein sich entwickelndes Prostatakarzinom aufgespürt werden kann, und zum anderen die Messung des Augeninnendrucks zur Vorbeugung des Grünen Stars. Übrigens: Im Tarif PraxisTop der Envivas sind diese beiden Untersuchungen versichert.

„Das Prostataspezifische Antigen, kurz PSA, ist der einzige Marker im Blut, der – verantwortungsvoll eingesetzt – in der Vorsorge Sinn macht“, sagt Kramer-Toussaint. Ist der PSA-Wert im Blut erhöht, kann dies auf Prostatakrebs hindeuten. Allerdings lassen auch einige andere Faktoren, unter anderem so harmlose wie Fahrradfahren oder auch eine Entzündung der Prostata, den Wert zumindest vorübergehend ansteigen. „Bei einem auffälligen Ergebnis sind daher immer Kontrolluntersuchungen erforderlich, bei denen auch die Anstiegsgeschwindigkeit des Wertes berücksichtigt wird“, betont die Medizinerin.

Check des Augeninnendrucks so wichtig, um dem Grünen Star vorzubeugen

Ein erhöhter Augeninnendruck ist der wichtigste Risikofaktor für einen Grünen Star, auch Glaukom genannt. Dabei schädigt der hohe Druck den Sehnerv, was eine Erblindung zur Folge haben kann. „Viele Menschen haben bereits jahrelang erhöhte Druckwerte, bevor sie das Schwinden ihrer Sehkraft bemerken“, sagt Kramer-Toussaint. Eine regelmäßige Messung des Augeninnendrucks, auch Tonometrie genannt, könne einer solchen Entwicklung vorbeugen. Zudem sei die Untersuchung unkompliziert und preiswert.

 die drei Saeulen der Gesundheit – gesunde Ernaehrung, Sport, kein Stress.

Ein gesunder Körper wird von drei Säulen getragen

Neben den Früherkennungsuntersuchungen hält Kramer-Toussaint vor allem drei Maßnahmen für erforderlich, um Krankheiten so gut wie möglich vorzubeugen. „Die tragenden Säulen eines gesunden Körpers sind die richtige Ernährung, ausreichend Bewegung und ein gutes Stressmanagement“, sagt sie. Zu Letzterem gehöre es vor allem, für genügend Schlaf und Entspannungsphasen zu sorgen. Zum Thema Ernährung sei es schwieriger, konkrete Ratschläge zu geben. „Wichtig ist auf jeden Fall eine ausgeglichene Kalorienbilanz, was bedeutet, dass man nicht regelmäßig mehr Kalorien zu sich nimmt, als man verbraucht“, sagt Kramer-Toussaint.

Darüber hinaus habe sich die Mittelmeer-Diät in Studien für die meisten Menschen als sehr gesund erwiesen. Bei dieser Form der Ernährung landen viel frisches Gemüse, Salat, Nüsse, Fisch und Olivenöl auf dem Teller. Der Verzehr von rotem Fleisch und fetthaltigen Milchprodukten wird zumindest eingeschränkt. Eine weitere wichtige Empfehlung, die Kramer-Toussaint insbesondere Männern ausspricht, ist es, auf die eigenen Körpersignale zu achten und Warnungen wie Schmerzen, Unwohlsein oder sonstige negative Veränderungen nicht über einen längeren Zeitraum hinweg zu ignorieren.

„In diesem Punkt sind viele Frauen den Männern überlegen“, sagt sie. Zuweilen könne es daher auch nicht schaden, der eigenen Partnerin zu vertrauen, wenn ihr Veränderungen auffallen. „Im Zweifelsfall“, sagt Kramer-Toussaint, „ist ein Arztbesuch zu viel immer besser als einer zu wenig.“ Und wer bereit sei, professionelle Hilfe anzunehmen, zeige Stärke – keinesfalls Schwäche.

Weitere Informationen zum Thema

In der unten aufgeführten Infobox sind die wichtigsten Bereiche, die für Vorsorge-Untersuchungen relevant sind, aufgeführt. Wenn Sie zu konkreten Vorsorge-Untersuchungen mehr erfahren möchten, lesen Sie auch unseren Artikel „Vorsorge für den Mann: Die Basis Ihrer Gesundheit“. Am Ende dieses Artikels finden Sie zudem unseren Vorsorgekalender, der die wichtigsten Untersuchungen übersichtlich darstellt.

Hautaerztin untersucht einen Mann bei der Hautkrebsvorsorge.

Sinnvolle Vorsorge für den Mann

Gesundheitscheck

Die meisten Krankenkassen bieten diese Untersuchung, die auch „Check-up 35“ genannt wird, regelmäßig für Männer ab 35 Jahren an. Zudem kann die Untersuchung einmalig im Alter zwischen 18 und 34 Jahren in Anspruch genommen werden. Bei dem Gesundheitscheck geht es vor allem um die Früherkennung der großen Volksleiden wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch Nierenstörungen können erkannt werden.

Hautkrebs

Auch diese Vorsorgeuntersuchung wird von den meisten Krankenkassen vom 35. Geburtstag an – und dann alle zwei Jahre – angeboten. Ein Hautarzt sucht dabei die komplette Haut nach auffälligen Veränderungen ab, die sich meist mit bloßem Auge gut erkennen lassen. Der Einsatz einer speziellen Lupe muss daher vom Patienten selbst bezahlt werden. Bei einem Verdacht auf Hautkrebs entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe, die ins Labor geschickt wird. 

Prostatakrebs

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung von Männern. Da ein Tumor in der Vorsteherdrüse anfangs keine Symptome verursacht, wird er oft erst spät entdeckt, wenn die Heilungschancen nicht mehr sehr gut sind. Die Krankenkassen bieten daher Männern ab einem Alter von 45 Jahren eine jährliche Früherkennungsuntersuchung an, bei der die äußeren Genitalien, die Lymphknoten und die Prostata abgetastet werden.

Hodenkrebs

Nicht im gesetzlichen Früherkennungsprogramm verankert ist hingegen die Untersuchung auf Hodenkrebs. Diese Entscheidung wurde gerade erst wieder vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bestätigt. Hodenkrebs werde auch ohne spezielle Vorsorgeuntersuchungen in den meisten Fällen rechtzeitig erkannt und sei zudem gut behandelbar, heißt es in der Begründung. Allen Männern wird jedoch empfohlen, vom 18. Lebensjahr an die Hoden einmal im Monat selbst abzutasten und dabei auf Verhärtungen oder Vergrößerungen zu achten. Bei Auffälligkeiten sollte ein Urologe aufgesucht werden. 

Darmkrebs

Ab einem Alter von 50 Jahren wird Männern zweimal im Leben eine Darmspiegelung, auch Koloskopie genannt, angeboten. Da Darmtumore sehr langsam wachsen, muss zwischen beiden Untersuchungen ein Mindestabstand von zehn Jahren liegen. Alternativ zur Darmspiegelung können sich Männer zwischen 50 und 54 Jahren für einen jährlichen Test auf okkultes, also nicht sichtbares Blut im Stuhl entscheiden.

Weitere Themen

  • Regelmäßige Vorsorge beim Zahnarzt
  • Überprüfung des Impfstatus