Fernreisen mit Kleinkindern

Von Christina Rinkl

In der gemeinsamen Elternzeit mit dem Baby nach Thailand? Im Sommerurlaub mit Papa und der Zweijährigen nach Vietnam? Immer mehr Eltern entscheiden sich für eine Fernreise mit Kleinkind. Doch macht das wirklich Sinn? Und wie sollten sich Familien medizinisch vorbereiten? Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengestellt.

Ihre Traumreise hatten sie lange im Voraus geplant. Michèle Lohr und ihr Mann sind im Herbst 2018 auf die Seychellen geflogen: gemeinsam mit ihren Töchtern Charlotte (3 Jahre) und Toni (1 Jahr). So weit weg mit zwei Kleinkindern? „Ja, denn es war einfach toll und wir würden es immer wieder machen“, sagt die zweifache Mutter im Rückblick. Vorab hatte sich die Familie umfassend beim Kinderarzt informiert und im Internet die Seite des Auswärtigen Amtes besucht. Der Arzt hatte empfohlen, die Kinder zusätzlich gegen Hepatitis A impfen zu lassen, alle anderen üblichen Impfungen hatte die Familie bereits. Als die Koffer gepackt waren, konnte es los gehen.

Fliegen mit Kind – kann das entspannt sein?

11 Stunden Flug mit zwei Kleinkindern – vielen Eltern treibt allein die Vorstellung schon Schweißperlen auf die Stirn. „Wir finden langes Fliegen entspannter, als lange Autofahrten. Weil beide Eltern die Hände frei haben und sich um die Kinder kümmern können.“ Außerdem bietet der Flieger mehr Platz und Komfort als die Rückbank eines Autos.  Die dreijährige Charlotte hat an Bord ihr Kinder-Menü verspeist, einen Biene-Maja-Film geschaut und den Rest des Fluges verschlafen. „Unsere beiden Kinder sind sehr entspannt. Von daher war die Reise für uns gar kein Problem.“

Haben wir auch alles dabei?

Und vor Ort hat sich das Meer mit seinen 29 Grad Celsius wie eine große, warme Badewanne angefühlt. Die Menschen auf den Seychellen sind sehr kinderfreundlich und das feucht-heiße Klima hat den beiden Mädchen weniger ausgemacht als ihren Eltern. „Sie haben das richtig genossen und hatten sehr viel Spaß.“  Die einzige Frage, um die sich die Familie vorab gesorgt hatte, war: Haben wir an alles gedacht und alles dabei? Der Urlaub hat gezeigt: Sie hatten alles dabei.

Beratung beim Kinderarzt muss sein

Also alles ganz unkompliziert, solch eine Fernreise mit Kind? Nicht immer und nicht unbedingt. Der Hauptunterschied zu einem Urlaub im benachbarten Ausland ist die umfassende Vorbereitung, die Eltern treffen müssen. Eine reisemedizinische Beratung beim Kinderarzt vorab ist ein definitives Muss. Viele Informationen bieten zusätzlich das Centrum für Reisemedizin (http://www.crm.de) und die Sprechstunden der Tropeninstitute. Der Impfschutz muss überprüft und gegebenenfalls aufgefrischt werden und wichtige Medikamente dürfen in der Reisetasche nicht fehlen. Im Handgepäck übrigens auch nicht, falls der Koffer unterwegs verloren geht. Wichtige Notfall- und Dauermedikamente gehören daher immer zur Hälfte ins Handgepäck.

Die Zäpfchen dürfen zuhause bleiben 

Auf Zäpfchen sollten Familien auf Reisen in südliche Länder verzichten, da diese ab 30 Grad Celsius aufweichen können. Besser geeignet sind Säfte oder Tropfen. Ganz wichtig ist übrigens nicht nur der Reisepass, auch der Impf- und Blutgruppenpass jedes Familienmitglieds sollte eingepackt werden. Unverheiratete oder alleinreisende Eltern brauchen eine Vollmacht vom anderen Elternteil und eine Kopie der Geburtsurkunde des Kindes. So ersparen sie sich im Falle eines Falles am Flughafen oder bei Behörden viel Ärger und Stress. Unverzichtbar ist der Abschluss einer guten Auslandskrankenversicherung. Auch Envivas bietet diese an. (Mehr Informationen unter https://www.envivas.de/tarife/reisekrankenversicherung#/beratung/reise)

Wichtig: Medikamente  gegen Übelkeit und Schmerzen

Wer weit reist, braucht gute Mittel für den  Mücken- und Sonnenschutz. „ Genau so wie Medikamente gegen Übelkeit und  Schmerzen sowie Nasenspray“, sagt Kinderarzt Dr. Martin Beck aus Meckenheim. Nasenspray kann den Kindern bereits im Flieger gute Dienste leisten, genau so wie Kaugummi oder Gummibärchen für den Druckausgleich in den Ohren (Umfassende Tipps für die Reiseapotheke finden Sie im Kasten). Zwei weitere Tipps hält Mediziner Dr. Martin Beck für unverzichtbar: „Während der Reise bitte kein Leitungswasser trinken und unbedingt auf Abenteuertourismus verzichten.“  Denn davon haben Kinder nichts.

Mit Kindern reist man anders

Diese Empfehlung hat auch Michèle Lohr mit ihrer Familie beherzigt. „Mit Kindern unternimmt man auf einer Fernreise andere Sachen. Wir haben zum Beispiel auf den Seychellen keine Kanu-Tour und keine langen Wanderungen gemacht, was wir zu zweit bestimmt getan hätten.“  Und was für die Familie ebenfalls klar war: Keine Reise mit Kind in ein Malaria-Gebiet.

Davon rät auch das Centrum für Reisemedizin dringend ab, da die Krankheit bei Kleinkindern oft schwer und untypisch, zum Beispiel ohne Fieber, verlaufen kann. Hochrisiko-Malariagebiete wie die indonesischen Sunda-Inseln genau so wie Ost-, West und Zentralafrika sollten für Familien tabu sein. Auch Höhenlagen über 2500 Metern, wie etwa der Himalaya, sind für Kinder bis zum Schulalter nicht geeignet. Denn die Höhenkrankheit kann bei ihnen ebenfalls anders und untypisch verlaufen.

Diese Reiseziele sind optimal

Gut für Familienfernreisen eignen sich viele Destinationen in Asien. Thailand zum Beispiel gilt als ideales Ziel – auch für Familien, die sich zum ersten Mal an eine Fernreise wagen. Infrastruktur und medizinische Versorgung sind gut, und dennoch gibt es hier unzählige Traumstrände und exotische Natur. Kinder sind hier sehr willkommen. Vietnam und die Seychellen eignen sich ebenfalls  gut. Auch Dubai ist für einen Familienurlaub optimal. Der Flug ist mit fünf Stunden vergleichsweise kurz. Und in dem Wüstenstaat können Kinder jeden Alters und Erwachsene viele Abenteuer erleben: Zum Beispiel bei einer Tour mit dem Jeep durch die Dünen. Mauritius ist mit seinen flachen Sandstränden auch ein lohnenswertes Ziel.

Mit dem Baby nach Afrika

Eileen Lipphaus war mit ihrem Sohn in Namibia – als dieser noch ein Baby war. „Im Flugzeug saßen wir in der Reihe mit Babybett, Beinfreiheit und Kindermenü – es war völlig unproblematisch.  Otto hat die meiste Zeit geschlafen.“ Und auch der Familienurlaub dieses Jahr auf den Malediven war ein voller Erfolg.  Die Familie hatte absichtlich ein Hotel auf einer Insel gebucht, die mit dem Speedboot zu erreichen ist, und nicht nur mit dem Wasserflugzeug. Damit es im Notfall keine Transportprobleme gibt. „Wir hatten eine wunderbare Zeit dort und unser Sohn möchte am liebsten sofort wieder hin.“

„Wollt ihr das den Kindern wirklich antun?“

Nicht alle Außenstehenden können das nachvollziehen. „So eine weite Reise – wollt ihr das den Kindern wirklich antun? Fahrt doch lieber an die Ostsee oder nach Holland! Dort können die Kleinen doch auch im Sand spielen. “ Mit diesen oder ähnlichen Kommentaren müssen Familien rechnen, die eine Reise in die Ferne gebucht haben.  In den Bedenken kann tatsächliche Besorgnis mitschwingen, vielleicht aber auch ein kleines bisschen Neid. Auch Michèle Lohr hat einige diese Sätze gehört: „Habt ihr euch das denn auch gut überlegt? Ist die Sonne dort nicht viel zu stark für die Kinder?“ Gut ist, wenn Eltern dann gelassen bleiben und ihrem Umfeld versichern, dass sie wissen was sie tun und sich bestmöglich informiert vorbereitet haben.

Passt eine Fernreise zu uns? 

Zugegeben, eine Fernreise ist tatsächlich etwas anderes als eine Tour durch den Schwarzwald oder eine Reise an die Mecklenburgische Seenplatte. Eltern sollten vor der Buchung bedenken, dass die meisten Kleinkinder generell weniger anpassungsfähig an Hitze und empfindlicher gegenüber UVStrahlung sind als Erwachsene. Und im Ausland sind sie häufiger von schwerwiegenden Durchfallerkrankungen betroffen.

Daher kann letztendlich nur jede Familie selbst entscheiden, ob eine Fernreise das Richtige für sie ist. Wenn der Kinderarzt keine Einwände hat, die Reiseapotheke vollständig, das Ziel gut gewählt und das Kind generell entspannt ist, kann solch ein Urlaub zu einer unvergesslichen Zeit für die ganze Familie  werden.

Kasten: Das gehört in die Reiseapotheke

  • Dauermedikation aller Familienmitglieder – Fieberthermometer – Sonnenschutz mit hohem UV-A und UV-B Lichtschutzfaktor (20 und höher) – Insektenschutz (Für Kinder ab zwei Jahren eignen sich Mittel mit Icaridin. Als besonders wirksam gilt der Wirkstoff DEET in einer Konzentration ab 50 Prozent. Dieser wird allerdings erst ab einem Alter von 9 Jahren empfohlen.)

Sowie Medikamente gegen:

  • Durchfall – Elektrolytmischungen
  • Erbrechen/Übelkeit/Reisekrankheit/Erkältung/Schmerzen – mit dem Wirkstoff Paracetamol
  • Husten/Halsschmerzen
  • Ohrenschmerzen
  • Verstopfung/Blähungen
  • Magen-/Darmkrämpfe
  • Augenentzündung

Für die Erste Hilfe bei Verletzungen:

  • Pflaster und Verbandsmaterial
  • Wunddesinfektion (eine nicht brennende Lösung wie Octenisept)
  • Salbe gegen Verbrennungen
  • Salbe gegen Verstauchungen/Sportverletzungen
  • Splitterpinzette (Auch zur Entfernung von Zecken geeignet)

Quelle: Centrum für Reisemedizin (http://www.crm.de)