Reisen mit Kind: Über unser Backpacking-Abenteuer in Asien

Ein Reisebericht

Alexandra vom Blog levartworld

Wir haben Fernweh wie nie zuvor und wollen raus aus der altbekannten Stadt und rein in fremde Kulturen und romantische Natur. Wir wollen Zeit für uns als Familie, den Alltag hinter uns lassen und reisen. Unser kleiner Weltenbummler Erik kommt bald in die Schule und wir bekommen kalte Füße. Dann ist das Lotterleben vorbei und Reisen mit Kind sind nur noch in den Ferien möglich. Ganz spontan beschließen wir, mit unserem Kind an der Hand und Rucksack auf dem Rücken durch Asien zu reisen. Für dieses Vorhaben nehmen wir uns drei Monate Zeit. Wir vermieten also ganz schnell unsere Wohnung, beantragen drei Visa im Eilverfahren, nehmen unbezahlten Urlaub und steigen schließlich in den Flieger Richtung Osten.

Erster Stopp auf unserer Reise mit Kind: Moskau

Unser erstes Ziel ist Moskau. Unser Plan? Wir haben keinen. Alles, was wir gebucht haben, sind die ersten zwei Übernachtungen. Wir wollen die volle Flexibilität und uns einfach treiben lassen. Es macht Spaß, nach einem ereignisreichen Reisetag die Reiseführer zu wälzen und den nächsten Tag zu planen. Die Hauptsache ist, dass wir zusammen und glücklich sind. Und der kleine Weltenbummler ist sowieso überall zu Hause, wo auch immer wir sind. Jede Nacht in einem anderen Hotel zu schlafen, ist kein Problem für ihn. Die Welt ist unser Zuhause und so sieht es zum Glück auch der kleine Mann – ein unkomplizierter Reisepartner mit seinen fünf Jahren.

In Moskau angekommen, kaufen wir direkt Zugtickets für die erste Etappe mit der Transsibirischen Eisenbahn. Die Fahrkarten für die Bahn kosten nur einen Bruchteil des Preises, den wir vorab beim Onlinekauf über eine Agentur bezahlen würden. Dafür vergehen manchmal zwei Tage, bis wir einen Platz im Zug ergattern können. Doch das ist uns egal. Wir haben alle Zeit der Welt. Eine genaue Vorstellung, welche Länder wir unbedingt sehen möchten, haben wir nicht. Wir lassen uns vom Wetter, von den Flugpreisen und unserer aktuellen Stimmungslage leiten. Ob Strand oder Meer, Großstadt oder Dorf? Das entscheiden wir immer spontan.

„Back to the roots“ auf der Schamaneninsel im Baikalsee

Von der russischen Hauptstadt aus fahren wir mit der Transsibirischen Eisenbahn durch die weite Landschaft Russlands, die Steppe der Mongolei bis nach China. Selbstverständlich mit vielen Zwischenstopps an beeindruckenden Orten und mit wunderschöner Natur. Eines unserer absoluten Highlights in Russland ist die kleine Insel Olchon, die im Baikal, dem tiefsten See der Welt, liegt.

Auf dieser Insel scheint die Zeit noch stillzustehen. Asphaltierte Straßen? Fehlanzeige. Auch Strom gibt es hier erst seit wenigen Jahren. Das Leben kann auf Olchon ursprünglicher nicht sein. Wir stehen mit der Sonne auf, schauen den Kühen beim Hinauslaufen auf die Weiden zu, erkunden die Insel mit dem Rad, spazieren durch den Wald und verbringen ganz viel Zeit am See, bis die Sonne wieder untergeht.

Es wird behauptet, die Insel sei magisch. Um diesen Ort ranken sich viele Märchen und Legenden. Der Körper von Dschingis Khan soll in der Höhle am Kap Burkhan begraben sein. Der Schamanenfelsen auf Kap Burkhan ist ein beliebtes Pilgerziel. Es heißt, dass derjenige, der einen Stein vom Felsen mit nach Hause nimmt, von den Schamanen aufgesucht wird. Jede Nacht – so lange, bis der Stein wieder an seinen Bestimmungsort gebracht wird. Ob das stimmt? Ich probiere es lieber nicht aus.

Wandern und Reiten im Gorchi-Tereldsch-Nationalpark

Ein weiteres Highlight unserer Reise ist die Mongolei. Wir möchten einmal so leben wie die Nomaden und fahren in den Gorchi-Tereldsch-Nationalpark. Vom Parkeingang aus geht unsere Fahrt mit einem Ochsenkarren weiter. Über das Internet haben wir ein kleines Jurtecamp mitten im Nirgendwo gefunden und beschließen, hier eine Woche zu bleiben. Weit und breit ist nichts zu sehen außer ein paar Pferden und einigen Jurten. Doch uns wird es nicht langweilig. Erik freundet sich mit ein paar Kindern in der Umgebung an und spielt mit ihnen am Fluss. Wir unternehmen auch Ausritte, gehen wandern und genießen die Weite der Steppe und die Stille.

Alte Kultur und wilde Natur in China

Mit dem Zug rollen wir weiter zur Endhaltestelle der Transsibirischen Eisenbahn in China: Smog, Lärm und Menschenmassen. Das war meine weniger schöne Vorstellung von unserer Chinareise. Doch ich habe mich getäuscht. China ist unglaublich vielfältig und eröffnete mir eine ganz andere Sichtweise auf das Land und die Menschen.
In Peking spazieren wir fast ganz allein auf der Chinesischen Mauer in Badaling entlang. In den Yungang-Grotten in Datong versucht Erik, die 50.000 Buddhas zu zählen. In der alten Ming-Dynastie Pingyao balanciert er auf der Stadtmauer über den Dächern der Altstadt und kämpft in seiner Fantasie gegen böse Drachen. Und auf unserer Wanderung an der Tigersprung-Schlucht (Tiger Leaping Gorge), der tiefsten Schlucht der Welt, trällert der kleine Weltenbummler fröhlich den Steinböcken Weihnachtslieder vor, wohlgemerkt im August. Das Reisen mit Kind ist schon ein wahres Abenteuer, vor allem für das Kind. Die Welt ist ein riesengroßer Abenteuerspielplatz für Erik und China ein wahrer Glücksgriff.

Sommer, Strand und Meer in Malaysia und Thailand

Fast die Hälfte der Zeit unserer Reise mit Kind liegt nun hinter uns. Nach gefühlten 100 Tempelbesichtigungen wollten wir nur noch eins: Ans Meer. Wir steigen in den nächsten Flieger nach Thailand und verbringen ein paar faule Tage am Strand auf einer kleinen Insel. Schnorcheln und frische Kokosnüsse bestimmen unseren Tag. Wir kommen zur Ruhe, lassen unsere Reiseerlebnisse sacken und machen Urlaub vom Urlaub, bevor unsere Reise weiter nach Kuala Lumpur und in die Cameron Highlands in Malaysia geht.

Ein Abstecher in die Cameron Highlands ist perfekt für alle, denen es in Asien zu heiß ist. Hier oben, in den Bergen von Malaysia, herrschen angenehme, fast schon kühle Temperaturen von etwa 20 Grad. Teeplantagen, Obstbäume und Erdbeeren prägen die Landschaft. Wir verbringen unsere Tage mit Wanderungen durch fast unberührte Regen- und Nebelwälder, besuchen lokale Märkte und besichtigen Teeplantagen und Obstfarmen.

Die schöne, unbeschwerte Familienzeit ohne Termine und Verpflichtungen nähert sich langsam dem Ende. Nach einem Zwischenstopp in Singapur, der wohl genialsten Stadt für Reisen mit Kind, lassen wir unseren Urlaub mit Surfen im Westen von Bali ausklingen, bevor es mit sechs weinenden Augen wieder zurück in den deutschen Herbst geht.