Die Infektion ohne Symptome, aber mit schweren Folgen: Die Zika-Virus-Infektion

Eine Erkrankung ohne Anzeichen? Geht das? Ja, das geht. Bei einer Zika-Virus-Infektion verlaufen 70 bis 80 Prozent der Erkrankungen ganz ohne Symptome. Beim Rest sind milde Verläufe der Krankheit festzustellen. Das heißt: Vier von fünf infizierte Personen merken gar nicht, dass sie eine Infektion haben. Und das ist das Tückische: Denn Zika kann schwerwiegende Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Und es können weitere Menschen unbemerkt angesteckt werden.

Antworten zu allen relevanten Fragen einer Zika-Virus-Infektion geben wir Ihnen in diesem Artikel.

Wie alles anfing: Erst eine Epidemie macht das Virus bekannt

Zwischen 2015 und 2017 haben sich lokale Infektionen mit dem Zika-Virus zu einer Epidemie von globalem Ausmaß entwickelt. Obwohl das Virus bereits vor gut 70 Jahren entdeckt wurde, war es bis zu den ersten größeren Ausbrüchen 2007 und 2013 im Pazifikraum kaum bekannt. Eine mögliche Erklärung für diese Unauffälligkeit lag an den zunächst vergleichsweise milden oder gar nicht erst erkennbaren Symptomen, die die Infektion mit sich bringt. Erst die massenhaften Ausbrüche mit sehr vielen Erkrankten im Jahr 2015 und die gehäuft beobachteten Folgeerkrankungen – bei Schwangeren kam es z. B. zu Fehlbildungen bei Föten und Neugeborenen – ließen Rückschlüsse darauf zu, wie gefährlich das Zika-Virus wirklich ist. Besonders aufgrund der zunächst unspezifischen Symptome ist es besonders wichtig zu wissen, wie die Virusinfektion identifiziert werden kann.

Wenn Symptome, dann häufig unspezifisch

In den Fällen, in denen Symptome auftreten, sind diese innerhalb von drei bis zwölf Tagen nach der Infektion mit dem Zika-Virus festzustellen. Und sie äußern sich in der Regel verhalten: Typisch sind niedriges Fieber sowie Kopf-, Glieder-, und Muskelschmerzen – also Symptome, die bei einer Vielzahl anderer Virusinfektionen wie Dengue, Chikungunya oder West-Nil-Fieber auch vorkommen. Sie könnten jedoch auch frühe Zeichen einer ungleich gefährlicheren Malaria sein. Anhand der Symptome allein lässt sich also eine Zika-Ansteckung nicht zweifelsfrei diagnostizieren.

Weitere Erscheinungsbilder sind eine nicht-eitrige Bindehautentzündung der Augen oder ein juckender Ausschlag, der sich auf Handflächen und Fußsohlen ausbreiten kann. Ein ähnlicher Ausschlag ist ebenso ein Symptom des Dengue-Fiebers. Er dauert etwa sechs Tage an. Als Begleiterscheinungen können ein Druckgefühl hinter den Augen, Übelkeit, Appetitlosigkeit und Durchfall vorkommen.

Die Symptome erstrecken sich in der Regel über einen Zeitraum von bis zu einer Woche. Längere, komplizierte oder gar tödliche Verläufe sind sehr selten und betreffen meistens eher Menschen in hohem Alter oder mit schweren Vorerkrankungen.

Mögliche Komplikationen einer Zika-Virus-Erkrankung

Das Problem sind also nicht die Symptome der Zika-Virus-Erkrankung selbst, sondern viel mehr mögliche schwerwiegende Folgeerkrankungen, die eine Ansteckung mit dem Zika-Virus hervorrufen kann.

Erst das gehäufte globale Auftreten von Zika-Virus-Infektionen in den vergangenen Jahren erlaubte es den Ärzten, Zusammenhänge zwischen dem Virus und anderen Krankheiten herzustellen. Hier offenbart sich, wie gefährlich das Virus sein kann, wenn es zu Komplikationen kommt.

Das Guillain-Barré-Syndrom als Folge einer Zika-Virus-Infektion

Bereits im Zuge des Zika-Ausbruchs in Polynesien im Jahr 2013 erkannten Ärzte bei ihren Patienten eine auffallende Häufung einer schweren neurologischen Erkrankung: des Guillain-Barré-Syndroms[1] – einer in fünf Prozent der Fälle tödlichen peripheren Nervenentzündung. Diese Krankheit tritt oft im Zusammenhang mit besonderen Infektionen durch Viren und Bakterien auf und muss nicht selten intensivmedizinisch behandelt werden. So kann es z. B. zu einer Lähmung der Atemmuskulatur kommen. Gerade in den Ausbruchgebieten ist die Behandlung des Guillain-Barré-Syndroms eine schwere zusätzliche Belastung für die Gesundheitseinrichtungen.

Es wird angenommen, dass diese Komplikation durch autoimmunologische Prozesse ausgelöst wird. Besonders anfällig sind daher solche Menschen, die eine Veranlagung für Autoimmunreaktionen haben. Letztlich ist jedoch die genaue Ursache noch immer unklar. Es stehen unterschiedliche immunologische Behandlungsverfahren zur Verfügung.

Mit zunehmender Forschung am Virus selbst und aufgrund der Auswertung der Datenflut aus den vergangenen Jahren wurde klar: Auch andere Störungen des Nervensystems können mit einer Zika-Virus-Infektion einhergehen. Diskutiert werden Entzündungen des Rückenmarks und der Hirnhäute, Hörstörungen sowie die Lähmung von Gesichtsnerven.

Infektionen von Schwangeren und ungeborenen Kindern

Eine weitere Komplikation im Zusammenhang mit dem Zika-Virus offenbarte sich besonders in Brasilien: Bilder von Säuglingen mit ungewöhnlich kleinen Köpfen gingen um die Welt und prägten die öffentliche Wahrnehmung der Krankheit. Auf dem Höhepunkt der Zika-Infektionen in Nordostbrasilien Mitte bis Ende des Jahres 2015 berichteten die lokalen Gesundheitsbehörden zum ersten Mal über den auffälligen Anstieg der Zahl an Neugeborenen, die an einer sogenannten „Mikrozephalie“ litten, wie die Verkleinerung des kindlichen Schädels bezeichnet wird. Sie kann mit schweren Hirnschäden und Entwicklungsstörungen einhergehen oder gar zum Tod des Kindes im Mutterleib führen – besonders wenn die Infektion in einer frühen Phase der Schwangerschaft auftritt (im ersten Drittel, dem sogenannten „Trimenon“). Häufigstes Symptom der Infektion bei Schwangeren ist der oben beschriebene Hautausschlag.

Natürlich können neben einer Infektion der Mutter noch viele weitere Ursachen wie Mangelernährung, Drogenmissbrauch oder bestimmte Medikamente für diese Art von Missbildungen verantwortlich sein. Bei Ultraschalluntersuchungen noch Ungeborener in den Ausbruchgebieten wurden allerdings zahlreiche weitere Schäden des kindlichen Nervensystems beobachtet und mit einer Zika-Virus-Infektion in der Schwangerschaft in Verbindung gebracht.

Während dieser Zusammenhang anfangs noch umstritten und statistisch nicht ausreichend abgesichert war, ist er heute eindeutig: Die zahlreichen Fälle lieferten Wissenschaftlern eine Datengrundlage, die einige Schlussfolgerungen möglich machen – sowohl was die konkreten Symptome als auch die Risiken für bestimmte Personengruppen betrifft. So kann beispielsweise eine frühere Dengue-Infektion bei Schwangeren Auslöser oder Verstärker des Zika-Krankheitsbildes sein – zumindest wird diese Wechselbeziehung diskutiert.

Diagnosemöglichkeiten bei Symptomen einer Zika-Virus-Infektion

Nicht jeder Reisende, der aus einem Zika-Gebiet zurückkehrt, muss sich auf eine Infektion hin untersuchen lassen. Jedoch sollte jeder fiebernde Reisende an die Möglichkeit einer Malaria- oder einer anderen ernsthaften Infektion denken. Dementsprechend ist im Zweifelsfall eine ärztliche Untersuchung unbedingt anzuraten.

Ärztliche Untersuchung

Da eine Zika-Virus-Erkrankung meist leicht verläuft, von allein abklingt und eine ursächliche Behandlung nicht erfolgen kann, ist die Diagnosestellung nur in bestimmten Fällen sinnvoll. Welche Methoden dafür eingesetzt werden, hängt vom Zeitpunkt der Untersuchung ab:

  • Bis zum 7. Tag nach Auftreten der Krankheitssymptome lässt sich das Virus mittels einer sogenannten „PCR“ (Nachweis des genetischen Materials des Erregers) im Blut und Urin des Patienten nachweisen.
  • Zwischen Tag 8 und 27 nach Erkrankungsbeginn kann eine Antikörperuntersuchung durchgeführt werden, die unsere Immunantwort auf das Virus erkennt. Allerdings hat diese Immunantwort zahlreiche Kreuzreaktionen: Die Untersuchung wird also durch Antikörper gestört, die wir gegen andere, ähnliche Viren gebildet haben. Auch zu diesem Zeitpunkt kann die oben erwähnte PCR noch erfolgen.
  • Ab Tag 28 ist nur noch die Diagnosestellung mittels Antikörperuntersuchung sinnvoll.

Detaillierte Informationen zu den verschiedenen Diagnosetechniken finden Sie auf der Seite des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin.[2]

Für wen ist eine Diagnosestellung sinnvoll?

Aus den geschilderten Beispielen wird deutlich, dass nicht jeder, der sich mit dem Zika-Virus infiziert hat, gleichermaßen gefährdet ist. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen daher nur in bestimmten Fällen die Kosten für eine entsprechende Untersuchung. Privatversicherte sollten vor der Untersuchung mit ihrer Versicherung sprechen, um eine Kostenerstattung abzuklären. Je nach Regelung im Vertrag werden die Kosten einer Untersuchung von Auslandsreise-Krankenversicherungen z. B. dann getragen, wenn Symptome bestehen und die Untersuchung im Ausland stattfindet. Da es hier keine einheitliche Regelung gibt, ist eine Anfrage beim Versicherungsunternehmen zweckmäßig. Rein medizinisch gesehen, ist eine Untersuchung sinnvoll, wenn mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:

  • Schwangere Frauen, die während des Auslandsaufenthaltes oder bis zu 21 Tage danach unter mindestens zwei der oben gelisteten Symptome leiden. Sie sollten sich auf eine Zika-Virus-Infektion testen lassen. Wenn die Untersuchung positiv ausfällt, ist es ratsam, Ultraschallkontrollen in Abständen von vier Wochen und in enger Absprache mit dem Frauenarzt durchzuführen.
  • Schwangere, die nicht unter Symptomen leiden, sich jedoch während der Frühschwangerschaft in einem Epidemiegebiet aufhielten, können einen Antikörpertest machen lassen.
  • Kalkablagerungen im Gehirn des Fötus: Finden sich im Ultraschall auffallende Kalkablagerungen im Gehirn des Fötus oder wird bei den Vorsorgeuntersuchungen eine Mikrozephalie festgestellt, ist ebenfalls eine explizite Diagnostik notwendig.
  • Männer, die in gefährdete Regionen reisten und deren Partnerin schwanger ist, sollten sich untersuchen lassen und bis zum Eingang des Testergebnisses Kondome beim Sexualverkehr benutzen. So kann eine mögliche Infektion der Frau durch Sperma oder andere Sekrete vermieden werden. Lesbische Paare sollten ebenso auf „Safer Sex“ achten, wenn eine Partnerin ein Kind erwartet. Das Virus kann durch Vaginalsekret übertragen werden – und zwar bis zu 41 Tage nach der Infektion.

Wie schütze ich mich vor einer Infektion?

Schutz vor einer Infektion bietet eine Impfung. Wenn Sie eine Reise in Länder planen, wo das Zika-Virus verbreitet ist, informieren Sie sich im Vorfeld über verfügbare Impfungen – z. B. auch durch ein Gespräch mit Ihrem Arzt. Unser Tipp außerdem: Laden Sie sich unseren Travel Guide für Reisen in Länder mit besonderen gesundheitlichen Risiken herunter. Dieses umfangreiche E-Book bietet neben Informationen zum Zika-Virus alles Wissenswerte zu weiteren Reisekrankheiten sowie grundsätzliche Tipps zur optimalen Reisevorbereitung. Der Travel Guide wurde – genau wie dieser Artikel – von unserem Tropen-Experten Dr. Hinrich Sudeck verfasst.

Ist das Zika-Virus überhaupt noch aktuell?

Infektionen mit dem Zika-Virus – und damit natürlich die entsprechenden Krankheitssymptome – sind tatsächlich seit 2017 drastisch zurückgegangen. Der Grund: Die massenhaften Erkrankungen in den Jahren 2015 und 2016 führten zu zahlreichen Immunisierungen. Wer sich einmal mit dem Virus infiziert hat, verfügt über körpereigene Antikörper und kann sich kein zweites Mal anstecken.

Dennoch ist nach wie vor Vorsicht geboten. Wie die Ereignisse während der letzten Jahre gezeigt haben, ist die Forschung am Zika-Virus trotz seiner jahrzehntelangen Bekanntheit noch lange nicht abgeschlossen. Niemand weiß, wann und wo eine Epidemie erneut ausbrechen wird und welche weiteren Komplikationen im Zusammenhang mit dem Virus auftreten können. Indem Sie sich sorgfältig schützen und etwaige Symptome nicht auf die leichte Schulter nehmen, leisten Sie einen wertvollen Beitrag, einem erneuten Ausbruch des Zika-Virus entgegenzuwirken.

Über den Autor

Dr. med. Hinrich Sudeck, Jahrgang 1956, ist Internist und Tropenmediziner und war von 1990 bis 2007 Assistenzarzt und leitender Oberarzt am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Er leitete von 2010 bis 2015 den Fachbereich Tropenmedizin der Bundeswehr in Hamburg und absolvierte als Soldat Einsätze in Afghanistan, Mali und in Liberia im Rahmen der Ebolabekämpfung, nachdem er bereits seit 2003 als WHO-Experte für den Umgang mit hochansteckenden Viruskrankheiten tätig war. Neben vielen Reisen in tropische Länder hat er vier Jahre in Ghana und Nigeria gelebt und gearbeitet.

Rechtshinweis:

Die Informationen in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt, ersetzen aber den Arztbesuch nicht und dürfen auf keinen Fall zur Selbstdiagnose oder -behandlung eingesetzt werden. Im Zweifelsfall sollte immer eine Beratung durch einen fachkundigen Arzt erfolgen.

 

Quellennachweise

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Guillain-Barr%C3%A9-Syndrom
  2. http://www.bnitm.de/aktuelles/mitteilungen/954-empfehlungen-zur-diagnostik-der-zika-virus-infektion/