Trockene Augen: Was es damit auf sich hat und was wirklich hilft

Was tun, wenn die Augen kratzen, brennen und jucken? Wie unangenehm und störend sich trockene Augen im Alltag wirklich auswirken, das können wohl nur die Betroffenen selbst einschätzen. Davon gibt es allerdings jede Menge: Etwa jeder Fünfte, der einen Augenarzt aufsucht, klagt über trockene Augen.[1] Fest steht, dass der Leidensdruck bei den Patienten ungemein hoch ist. Das setzt auch die behandelnden Ärzte unter Druck, da ein schneller Behandlungserfolg gefragt ist.

Kurzfristige Abhilfe wird jedoch dadurch erschwert, dass die Ursachen für das Phänomen der trockenen Augen vielfältig sein können. Während bei vielen Menschen bereits die Veränderung Anpassung bestimmter Verhaltensweisen für Linderung sorgen kann, können trockene Augen bei anderen auch Anzeichen für ernsthafte Erkrankungen sein. Daher beginnt für die meisten Betroffenen zunächst eine Experimentierphase, um die Ursache und die optimale Therapie zu finden. Treten die Symptome also erstmalig bei Ihnen auf, dann sollten Sie diese auf jeden Fall durch Ihren Augenarzt abklären lassen. Denn was gerne als Alltagswehwehchen abgetan wird, kann langfristig zu einer chronischen Hornhaut- oder Bindehautentzündung werden.

Den Tränenapparat verstehen: Die Gründe für  trockene Augen

Die Oberfläche des Auges besteht aus der obersten Zellschicht von Binde- und Hornhaut. Diese ist im Normalzustand von einem sehr dünnen Tränenfilm überzogen. Der Tränenfilm bildet zusammen mit den Oberflächenzellen und den Augenlidern das Abwehrsystem unserer Augen.

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Auch der Tränenfilm selbst setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen:

  • Da wäre die wässrige Schicht aus der Tränendrüse, in der Salze gelöst sind. Diese Schicht versorgt die Augenoberfläche mit der notwendigen Feuchtigkeit.
  • Zwischen Hornhaut und wässriger Schicht liegt die Schleimschicht, die in der Bindehaut produziert wird. Sie vermittelt die Haftung zwischen wässriger Schicht und der eigentlich wasserabstoßenden Augenoberfläche.

Ganz außen liegt schließlich die Fettschicht, ein öliges Sekret, das die Verdunstung der Tränenflüssigkeit verlangsamt.

Etwa alle fünf bis zehn Sekunden zwinkern wir – in diesen kurzen Momenten verteilt sich die Tränenflüssigkeit auf unserer Augenoberfläche. Abtransportiert werden die Tränen dann durch Tränenpünktchen, winzige Öffnungen am Ober- und Unterlid, die in die Nase führen. Die Grafik zeigt den Tränenapparat und den schichtweisen Aufbau des Tränenfilms.

Der Tränenfilm hat drei wesentliche Aufgaben: Zum einen schützt er Ihr Auge vor allem, was von außen eindringt. Staub, Keime, Pollen und der Luftzug werden von der Flüssigkeit abgefangen und durch den Lidschlag abtransportiert. Auch zur optimalen Sehschärfe leistet die schützende Schicht ihren Beitrag. Denn sie glättet die Augenoberfläche, sodass die Umwelt ohne Verfälschungen auf der Netzhaut abgebildet werden kann. Außerdem sorgt der Tränenfilm noch dafür, dass die Hornhaut in Bestform bleibt. Als Schmiermittel verhindern die Tränen, dass unsere Lider auf Horn- und Bindehaut reiben. So können Sie sich vorstellen, wie es dazu kommt, dass Menschen, die über trockene Augen klagen, ihre Beschwerden mit dem Gefühl von Sandpapier auf den Augen vergleichen.

Wodurch entstehen trockene Augen?

Für dieses Gefühl können zwei verschiedene Ursachen verantwortlich sein: Entweder ist die Tränenproduktion zu gering oder der Verlust der Tränenflüssigkeit ist zu hoch. Die zu geringe Tränenproduktion hängt häufig mit einer altersbedingten Rückbildung des Tränendrüsengewebes zusammen. Viele Allgemeinerkrankungen können die Tränendrüse beeinflussen und auch die Einnahme von Medikamenten wie Atropin, Betablocker oder Diuretika können eine Rolle spielen. Verliert Ihr Auge zu viel Tränenflüssigkeit, dann sind die Gründe bei den Schleim- und Fettkomponenten zu suchen. Die zu geringe  Haftung des Tränenfilms kann durch Mangel an Vitamin A oder Verletzungen der Oberfläche (z. B. Verätzungen, Verbrennungen und Narben) verursacht werden. Ist die Verdunstung der Flüssigkeit zu hoch, handelt es sich oft um eine Entzündung der Lidränder, die die Produktion der Fettkomponente einschränkt.

Aber nicht immer sind die Gründe für trockene Augen so weit entfernt von unserem Einflussbereich: Trockene Augen können nämlich auch durch ganz banale Situationen im Alltag entstehen. Wenn Sie unter trockenen Augen leiden und weder spezielle Medikamente einnehmen noch ernsthafte Krankheiten bekannt sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie sich selbst von den Beschwerden erlösen können. Das ist zum Beispiel bei äußeren Einflüssen wie Zugluft, trockener Luft, Klimaanlagen-Luft, langes Starren auf Bildschirme oder Zigarettenrauch der Fall – alles Faktoren, die sich vermeiden oder zumindest einschränken lassen.

Tipp: Sie haben festgestellt, dass Sie vor allem zu bestimmten Jahreszeiten immer wieder das Gefühl von trockenen Augen haben? Haben Sie schon einmal über einen Allergietest nachgedacht? Häufig sind zum Beispiel Pollen ein Auslöser für trockene Augen.

Von der Diagnose zur Therapie

Die Signale, die unser Körper aussendet, sind nicht immer eindeutig zuzuordnen oder zu interpretieren. Die meisten Betroffenen schildern ihrem Augenarzt mehrere Beschwerden. Nutzen Sie die folgende Liste für sich selbst als Schnelltest, um erste Anhaltspunkte zu gewinnen:

  • Fremdkörpergefühl, Brennen, Kratzen
  • Reiben, Sandkorngefühl
  • Druckgefühl in den Augen
  • Schmerzen
  • Müde Augen
  • Lidschwellung
  • Schleimabsonderung, verklebte Lider (vor allem nach dem Schlafen)
  • Bindehautrötung
  • Gefühl des Tränens
  • Bedürfnis, die Augen ständig auswischen zu müssen
  • Sehstörungen
  • Blendung, Lichtscheue

Die oberste Priorität des Augenarztes ist es, ernsthafte Erkrankungen als Verursacher der trockenen Augen auszuschließen. Sämtliche Symptome, die bei trockenen Augen auftreten, können nämlich auch durch andere Augenerkrankungen hervorgerufen werden. Nach einer allgemeinen Augenuntersuchung mit der Kontrolle des Sehnervs und einem Blick auf die Netzhaut kann der Arzt daher häufig schon eine Verdachtsdiagnose stellen, die sich dann durch den sogenannten Schmiertest erhärten lässt. Dazu wird ein Filterpapierstreifen in das Unterlid eingehängt, mit dem die Tränenmenge gemessen wird. Abhängig vom Krankheitsbild und der Vorgeschichte können weitere Untersuchungen notwendig sein, um andere Ursachen zuverlässig auszuschließen. Warum die Behandlung des trockenen Auges nicht ganz so einfach ist, wie man vielleicht denken könnte, zeigt ein Blick auf den komplizierten Tränenapparat. Nicht immer gelingt daher der direkte Weg von der Diagnose zur Therapie. Und bleibt der Behandlungserfolg zu lange aus, ist Frust zwischen Ihnen und dem Augenarzt vorprogrammiert.

Trockenen Augen den Kampf ansagen: Welches Medikament am besten hilft

Die Diagnose „trockenes Auge“ stellt Betroffene und Augenärzte meist vor eine echte Herausforderung. Denn bisher sind keine Behandlungsmethoden bekannt, die direkt an den Ursachen ansetzen. Die Therapie setzt daher hauptsächlich darauf, die Beschwerden zu lindern. Dass die gesetzlichen Krankenkassen die Behandlungskosten meist nicht tragen, macht die Situation nicht besser.

Steckt hinter Ihren trockenen Augen ein Problem mit den Meibomschen Drüsen, die die Fettschicht der Tränenflüssigkeit produzieren, so ist die Behandlung von Entzündungen des Lidrandes erfolgversprechend. Wird der Augenarzt dort nicht fündig, dann helfen Tränenersatzmittel oft weiter. Sie sorgen dafür, dass das Auge wieder mit ausreichend Flüssigkeit versorgt wird. Diese künstlichen Tränen gleichen in ihrer Zusammensetzung den körpereigenen Tränen, enthalten jedoch häufig Konservierungsmittel, um die Tropffläschchen vor Verunreinigungen zu schützen. Augentropfen ohne Konservierungsmittel sind dagegen nur in Einzeldosisbehältern erhältlich.

Doch warum und für wen spielt das überhaupt eine Rolle? Künstlichen Tränen ohne Konservierungsstoffe sollten Sie den Vorzug geben, wenn Sie Allergiker sind, die Tropfen besonders häufig anwenden oder weiche Kontaktlinsen tragen. Die Konservierungsmittel können sich nämlich an der Linse anreichern und auf Dauer Ihre Hornhaut schädigen.

Tipp: Viele Patienten gehen mit der Zeit von wässrigen zu dickflüssigeren künstlichen Tränen über. Damit müssen Sie seltener nachtropfen, aber auch in Kauf nehmen, dass dadurch Ihre Sicht zeitweilig beeinträchtigt werden kann. Das vermeiden Sie durch die geschickte Kombination der Präparate. Versuchen Sie, tagsüber Tropfen und nachts ein Gel oder eine Salbe zu verwenden.

Gewusst wie: Tränenersatzmittel richtig verabreichen

Die Behandlung Ihrer Beschwerden mit Tränenersatzmitteln ist leider nur so lange wirksam, wie sie andauert. Damit Sie die Gabe Ihrer Augentropfen möglichst wenig Zeit und Nerven kostet, sollten Sie zum Profi werden. An erster Stelle steht die Vorbereitung: Hände waschen und die Tropfflasche in der Hand anwärmen.

Nun müssen die Tropfen noch ins Auge gelangen. Damit sie dort ihre optimale Wirkung entfalten, können Sie sich die ersten Male an den folgenden Schritten orientieren. Sie werden sehen, die Routine stellt sich von ganz allein ein.

So gelangen die Tropfen ins Auge

  1. Beide Augen weit öffnen.
  2. Mit dem Zeigefinger das Unterlid nach unten ziehen.
  3. Blick nach oben richten.
  4. Tropfspitze senkrecht halten, über dem Bindehautsack abtropfen.
  5. Wenn sich der Tropfen ausreichend verteilt hat, das Lid loslassen.
  6. Beide Augen langsam schließen.
  7. Die Augen ein bis zwei Minuten geschlossen halten.

Bei Gels oder Salben empfiehlt es sich, einen Strang nach Angabe direkt in den geöffneten Bindehautsack zu legen und dabei die Richtung vom Augeninnen- zum -außenwinkel zu beachten. Auch hier verteilt sich das Präparat am besten, wenn Sie die Augen einen Moment geschlossen halten.

Helfen Sie sich selbst – diese Hausmittel wirken gegen trockene Augen

Künstliche Tränen beheben Ihre Beschwerden nur vorübergehend und können lästig in der Handhabung sein. Viel besser wäre es doch, dem natürlichen Tränenfluss wieder auf die Sprünge zu helfen. Die perfekte Ausgangslage schaffen Sie, indem Sie ausreichend trinken und die Augen vor starker Zugluft und extremer Sonneneinstrahlung schützen. Die Luftfeuchtigkeit in Räumen steigern Sie, indem Sie Schalen mit Wasser aufstellen oder im Winter feuchte Tücher über die Heizung hängen.

Wenn Sie zu denjenigen gehören, denen der Verzicht auf Alkohol und Zigaretten schwerfällt, dann ist die Linderung der trockenen Augen ein weiterer Anreiz für Sie: Wie so oft, bergen auch Ihre Ernährungsgewohnheiten einen Stellhebel. So ist bekannt, dass Sie die Tränensekretion anregen, indem Sie mehr Omega-3-Fettsäuren (in Nahrungsmitteln wie Fisch, Raps- und Leinöl enthalten) und weniger Omega-6-Fettsäuren (in Nahrungsmitteln wie Schweinefleisch und Sonnenblumenöl enthalten) zu sich nehmen. Fischölkapseln beispielsweise können der Tränenproduktion wieder neuen Schwung verleihen.

Bei Entzündungen des Lidrandes können Sie selbst durch feuchtwarme Kompressen zur Heilung beitragen. Lassen Sie sich von Ihrem Augenarzt die Technik zur Lidrandmassage zeigen, die die Drüsen in ihrer Tätigkeit unterstützt. Auch Augentropfen auf der Basis von Augentrost und Stiefmütterchen-Auflagen gehören zur erfolgversprechenden Pflanzentherapie. Wenn das nicht reicht oder Sie gerne alles ausprobieren möchten: Zimmerwarmer Quark oder Schwarzteebeutel auf den Augen sollen schon Wunder bewirkt haben. Hilft das alles nichts, dann zögern Sie nicht mit einem erneuten Besuch beim Augenarzt.

 

Quellennachweise

  1. http://cms.augeninfo.de/nc/hauptmenu/presse/statistiken/statistik-trockenes-auge.html