Reiseapotheke für Kinder

Für alles gerüstet – die Reiseapotheke für Kinder

Wenn Ihr Kind krank ist, suchen Sie einen Arzt auf. Und im Urlaub? Bis 2008 gab es auf ganz Papua-Neuguinea nur einen Kinderarzt und überhaupt nur einen Arzt je 10.000 Einwohner im Jahr 2010. Zugegeben, Papua-Neuguinea ist ein exotisches Reiseziel, aber auch anderswo ist die medizinische Versorgung nicht so wie zu Hause. Gut, dass ein wichtiger Teil davon in den Koffer passt. Denn mit einer gut ausgestatteten Reiseapotheke für Kinder sind Sie als Eltern für eine schnelle Erstversorgung gerüstet und können viele Blessuren selbst behandeln. Wir erklären Ihnen, worauf Sie achten können, damit Ihr Kind überall bestens versorgt ist.

Abenteuerurlaub? – Mit Kindern immer?!

Für Kinder ist der Urlaub ein Abenteuer, aber auch für Sie als Eltern kann es abenteuerlich werden. Denn während Sie sich schnell an die neue Umgebung, Lebensmittel und Witterungsbedingungen gewöhnen, ist es für Ihr Kind nicht so einfach, da es empfindlicher auf solche Veränderungen reagiert. Hier verstecken sich echte Herausforderungen:

  • Hohe Anfälligkeit für Krankheiten und Infektionen: Kleinkinder erfahren ihre Welt mit den Händen oder dem Mund und ihr Immunsystem entwickelt sich noch.
  • Kinder verletzen sich schnell: Sie können Gefahren noch nicht richtig einschätzen.
  • Besonders Kinder neigen zu Reiseübelkeit.
  • Ungewohntes Essen kann Ihrem Kind auf den Magen schlagen und Durchfall verursachen.
  • Nicht jedes Medikament ist für Kinder geeignet.
  • Tücken vor Ort: Verständigungsprobleme, schlechte Medikamentenverfügbarkeit, und medizinische Versorgung oder andere Hygienestandards

Planung ist der halbe Urlaub!

1. Urlaubsplanung mit Ihrem Arzt

Müssen Impfungen aufgefrischt werden oder ist eine Prophylaxe für landestypische Erkrankungen (z.B. Malaria) nötig? Gibt es Einfuhrbeschränkungen für die Medikamente? Was muss sonst noch in die Reiseapotheke? Ihr Haus- oder Kinderarzt hat darauf die richtigen Antworten. Am besten klären Sie die Risikofaktoren der bevorstehenden Reise mit ihm ab, bevor Sie die Reiseapotheke für Ihr Kind zusammenstellen (ein bis zwei Monate im Voraus).

2. Bestens informiert vor Ort

Wer verreist, informiert sich über Land, Leute und Unterkunft. Aber auch über die Risiken und die medizinische Versorgung? Versuchen Sie, vorher abzuklären, wo sich die nächsten Ärzte und Apotheken am Urlaubsort befinden. Das Auswärtige Amt kann Ihnen zusätzlich helfen und gibt aktuelle reisemedizinische Hinweise sowie Informationen zu Tropen- und Infektionskrankheiten.

3. Ist der (Impf-)Pass griffbereit?

Im Ernstfall erleichtern die gesundheitsrelevanten Dokumente für Ihr Kind, z.B. U-Heft, Impfpass, Krankenversicherungskarte, Attest für Medikamente und Allergiepass, die Kommunikation und gehören daher in jede Reiseapotheke. Prüfen Sie vor der Reise den Versicherungsschutz für Ihr Kind (und auch für sich selbst) und schließen Sie ggf. eine private Auslandsreisekrankenversicherung ab.

4. Die Reiseapotheke immer in Reichweite

Ihre Reiseapotheke ist nur von Nutzen, wenn sie auch griffbereit ist. Reisen Sie mit dem Auto? Dann ist es sinnvoll, sie z. B. beim Beifahrer zu lagern. Falls Ihrem Kind unterwegs übel wird, können Sie schnell reagieren und es sofort versorgen.

Bei Flugreisen hingegen gelten besondere Sicherheitsrichtlinien, vor allem für Flüssigkeiten. Außerdem kann auch der Koffer verloren gehen. Nehmen Sie daher die wichtigste Medizin im Handgepäck mit (z. B. Notfall- und Dauermedikation, Mittel gegen Fieber, Übelkeit, Durchfall und Schmerzen). Beachten Sie dabei die Begrenzung der Flüssigkeitsmenge. Je nachdem, wie viele Flüssigkeiten Sie transportieren, können die Medikamente durch eine schriftliche Bestätigung vom Kinderarzt als erforderlich gekennzeichnet werden. Wichtig ist dabei, dass Sie die Arzneimittel namentlich aufführen.

Denken Sie daran, dass auch bei Ausflügen im Urlaub die Reiseapotheke nützlich ist. Packen Sie ausreichend Sonnenschutz und Erste-Hilfe-Mittel mit ein.

5. Der sichere Transport

Der richtige Transport ist entscheidend, um die Reiseapotheke stets sicher und einsatzbereit zu halten. Die richtige Lagerung bei Raumtemperatur (15–25 °C), geschützt vor starker Sonneneinstrahlung (nicht unter der Heckscheibe im Auto) und Feuchtigkeit (nicht im Badezimmerschrank) muss auch im Urlaub gewährleistet sein. Denken Sie daran, dass es im Frachtraum von Flugzeugen oft zu sehr niedrigen Temperaturen kommt. Nehmen Sie auch die Originalverpackungen und Packungsbeilagen mit, damit Sie Hinweise zu Inhalt, Dosierung, Nebenwirkungen, Lagerung und Ablaufdatum ohne Probleme nachlesen können.

Packliste: Was braucht mein Kind im Urlaub?

Mit dieser Packliste geben wir Hinweise, wie der Inhalt Ihrer Kinder-Reiseapotheke aussehen kann. Stimmen Sie die Apotheke dennoch mit Ihrem Arzt individuell auf Reiseziel, Reisedauer, Art der Reise, Alter, den aktuellen Gesundheitszustand Ihres Kindes und die Möglichkeiten vorhandener medizinischer Versorgung vor Ort ab.

a. Erste Hilfe

  • Kalt-/Warmkompresse
  • Sterile Wundpflaster/Kompressen
  • Elastische Binden
  • Tape-Band
  • Wunddesinfektionsmittel (nicht brennend)
  • Schmerzgel
  • Wundsalbe (antiseptisch)

b. Medikamente

  • Mittel gegen Fieber/Schmerzen
    – Paracetamol
    – Doperidom-Schmerztabletten (ab 12 Jahren)
  • Mittel gegen Übelkeit/Reiseübelkeit/Durchfall
    – Medikament mit dem Wirkstoff Dimenhydramin oder Cinnarizin
    – Elektrolytmischung
    – Medikamente mit dem Wirkstoff Loperamid (ab 12 Jahren)
  • Infektionskrankheiten
    – Hustensaft
    – Nasentropfen
  • Ohrenschmerzen
    – Prophylaktisch: Ohrenstöpsel
    – schmerzstillende Ohrentropfen (Wirkstoffe: Phenazon; Procain)
    – abschwellendes Nasenspray
  • Evtl. Dauermedikation/Antiallergika

c. Sonnen- und Insektenschutz/Hautirritationen

  • Sonnencreme
  • Hydrocortisoncreme (ab 6 Jahren)
  • Dimetindenmaleat- oder Lidocain-haltige Cremes (ab 2 Jahren)
  • Kopfbedeckung, Sonnenbrille
  • Schutznetz, lange Kleidung

d. Hilfsmittel/Sonstiges

  • Fieberthermometer
  • Splitterpinzette
  • Schere
  • Desinfektions- und Reinigungstücher
  • Ggf. Wasserdesinfektion

Was ist genau gemeint?

a. Erste Hilfe

Wir alle wissen: Kinder toben gerne herum und sind dabei nicht immer vorsichtig. Kleine Verletzungen und Schürfwunden sind schnell geschehen. Sind die wichtigsten Erste-Hilfe-Mittel griffbereit, können Sie kleine Verletzungen sofort versorgen.

Kleine Verletzungen sind meist schnell und einfach selbst behandelt – so steht dem Urlaubsvergnügen nichts im Weg.

Die meisten Wundsalben sind für Kinder geeignet und können bei Schnitt- und Schürfwunden, aber auch bei Verbrennungen (z. B. Sonnenbrand) zum Einsatz kommen, um den Heilungsprozess zu fördern. Antiseptische Wundcreme schützt zusätzlich vor Infektionen.

Ein Schmerzgel für Kinder können Sie beispielsweise anwenden, wenn Ihr Kind umgeknickt ist. Es wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend. Das Mittel sollte auf das Alter Ihres Kindes abgestimmt sein, Gele auf pflanzlicher Basis können Sie z. B. ab sechs Jahren anwenden.

b. Medikamente

  • Übelkeit/Reiseübelkeit/Durchfall

Turbulenzen auf dem Flug, lange Autofahrten und schaukelnde Fährüberfahrten: Reiseübelkeit kann jeden treffen, aber Kinder leiden besonders häufig daran. Bereits kurze Autofahrten können bei Ihrem Nachwuchs ein flaues Gefühl im Magen auslösen, denn ihr Gleichgewichtssinn kommt beim Autofahren schnell durcheinander. Das liegt daran, dass die Informationen, die das Auge beim Autofahren erhält, nicht zum Fortbewegungsgefühl des Körpers passen. Muss sich Ihr Kind dann übergeben, kann es gerade in heißen Urlaubsregionen rasch zu einem Wasser- und Nährstoffverlust kommen. Erbrechen kann dann bei Kleinkindern und Säuglingen schnell ernsthaft gefährlich und sogar lebensbedrohlich werden.

Wichtig ist deshalb, dem Erbrechen rechtzeitig entgegenzuwirken. Äußere Anzeichen wie Schwitzen oder Blässe geben Ihnen einen ersten Hinweis, dass es Zeit für eine kleine Reisepause ist. Zusätzlich helfen Medikamente mit dem Wirkstoff Dimenhydramin gegen Übelkeit und Erbrechen; diese können Sie auch schon bei kleinen Kindern (ab 6–8 kg) anwenden. Für größere Kinder gibt es praktische Dimenhydramin-Kaugummis, die sie prophylaktisch kauen können. Medikamente mit dem Wirkstoff Cinnarizin können Sie Ihrem Kind ab vier Jahren geben.

Neben Erbrechen zählt Durchfall zu den häufigsten Kinderreisekrankheiten. Auch hier droht ein Wasser- und Nährstoffverlust. Daher ist es ratsam, ein Elektrolytpräparat zur oralen Rehydrierung einzupacken. Medikamente mit dem Wirkstoff Loperamid werden erst ab einem Alter von zwölf Jahren empfohlen.

  • Ohrenschmerzen

Nicht nur für Erwachsene, sondern auch für die Kleinsten sind Ohrenschmerzen sehr unangenehm. Und sie sind besonders häufig davon betroffen: Im Alter von sechs Monaten bis sechs Jahren erkranken Kinder oft an einer Mittelohrentzündung. So eine Ohrenentzündung kann auch durch Wasser im Ohr hervorgerufen werden (Badeotitis), was im Badeurlaub schnell passiert. Denken Sie deshalb daran, für Ihr Kind geeignete, schmerzstillende Ohrentropfen (z. B. mit dem Wirkstoff Phenazon und Procain) einzupacken. Sie können auch prophylaktisch Ohrstöpsel fürs Toben im Wasser mitnehmen, die verhindern, dass das Wasser ins Ohr gelangt.

Auch im Flugzeug können die Ohren schmerzen. Denn kleine Kinderohren schaffen es bei Flugreisen oft nicht, sich an den veränderten Luftdruck anzupassen. Hier kann ein abschwellendes Nasenspray helfen, den Druckausgleich zu unterstützen. Es befreit die Verbindung zwischen Nasennebenhöhlen und Ohren.  

  • Dauermedikation

Leidet Ihr Kind an einer chronischen Erkrankung oder Allergie, sollten Sie Ihre Reiseapotheke gemeinsam mit dem Haus- oder Kinderarzt zusammenstellen. Sprechen Sie vor allem mögliche Risiken und Szenarien von Reisepannen mit ihm durch und lassen Sie sich eine Bescheinigung für die Dauer- und Notfallmedikation ausstellen. Um jederzeit gerüstet zu sein, sollten Sie die Medikamente, zusammen mit der Bescheinigung, in ausreichender Menge mitnehmen (bei Flugreisen im Handgepäck ruhig für mehrere Tage, falls es Probleme mit dem Koffer gibt). Beachten Sie auch die eventuelle Zeitverschiebung für die Einnahme der Dauermedikation.

c. Sonnen- und Insektenschutz

Die Haut von Säuglingen und Kindern ist sehr empfindlich gegenüber der Sonnenstrahlung, da sie dünner und weniger pigmentiert ist als die von Erwachsenen. Genügend Sonnencreme und Lippenschutz mit einem hohen UVA- und UVB-Schutz (mehr als Lichtschutzfaktor (LSF) 20) schützen Ihren Nachwuchs beim Spielen und Toben in der Sonne. Wenn es die Tagesplanung zulässt, sollten Sie versuchen, die besonders starke Mittagssonne gemeinsam mit Ihrem Kind zu meiden.

Sonnencreme gehört in jede Strandtasche.

Hat Ihr Kind einen Sonnenbrand bekommen, können Sie verschiedene Salben (z. B. Wundsalben) verwenden, um den Schmerz zu stillen und die Regeneration der Haut zu fördern. Ab einem Alter von sechs Jahren können Sie eine Hydrocortisoncreme anwenden.

Insektenschutz ist vor allem wichtig, wenn Sie in Malaria- oder Denguegebiete sowie generell in tropische Gebiete reisen. Aber auch auf anderen Sommerreisen können Mücken gefährliche Krankheiten übertragen. Darüber hinaus ist der Juckreiz von Mückenstichen für Ihr Kind sehr unangenehm. Gut beraten sind Sie mit Repellentien (Mückenschutzmittel zum Auftragen auf die Haut), die Ihr Kind ab zwei Jahren nicht nur vor Mücken, sondern auch vor Zecken und anderen Parasiten der Haut (Ektoparasiten) schützen können.

Universalmittel sind Dimetindenmaleat- oder Lidocain-haltige Cremes, die Sie bei unkomplizierten, allergischen und kurzfristigen Hautreaktionen sowie bei kleinflächigen Verbrennungen, Insektenstichen und Hautabschürfungen ab zwei Jahren anwenden können.

Entspannt in den Urlaub dank guter Vorbereitung: Unsere Reiseapotheken-Checkliste zum Download für Sie

Um Ihnen die Vorbereitung der Reiseapotheke für Ihre Kinder zu erleichtern, haben wir eine Checkliste erstellt, die die Erläuterungen in diesem Artikel übersichtlich darstellt. So können Sie alle Punkte einfach durchgehen und abhaken, sobald sie erledigt sind. An einigen Stellen haben Sie zudem die Möglichkeit, die Checkliste noch an Ihre persönlichen Bedürfnisse anzupassen. Klicken Sie einfach auf den folgenden Link, um die Checkliste herunterzuladen:

Quellennachweise