Gesundheitsrisiko Hitzesommer

Milde Winter, heiße Sommer – mit welchen Risiken müssen wir rechnen und worauf müssen wir achten? Der Klimawandel lässt die Temperaturen steigen – Forscher prognostizieren häufigere Wetterextreme, warnen vor neuen Allergenen und Krankheitserregern. 42 Prozent der Europäer zählen zur sogenannten Risikogruppe. Fast die Hälfte aller Menschen muss sich bei extremer und langanhaltender Hitze in gesundheitlicher Hinsicht besonders schützen.

18 Tage lang hatte die Hitze Frankfurt im Griff.  Die Temperatur lag an jedem dieser Tage über 30 Grad. Ein Rekord. Wie überhaupt das Jahr 2018 in die Geschichte eingeht: Es war das wärmste Jahr und der Sommer der zweitheißeste seit Beginn der Messungen. Für die Stadt am Main sind die Extreme allerdings nicht neu. Frankfurt wurde bereits häufiger von Hitzewellen heimgesucht und gilt als einer der wärmsten Orte Deutschlands. Als solcher reagierte die Stadt bereits nach dem Jahrhundertsommer 2003 mit der Etablierung von Warnsystemen. „Die Krankheits- und Todesfälle waren damals außergewöhnlich hoch“, sagt Katrin Simone Steul vom Gesundheitsamt Frankfurt. Deutschlandweit registrierte das Bundesamt für Statistik damals 2.600 hitzebedingte Behandlungsfälle: Patienten waren vor allem wegen eines Hitzschlages oder eines Sonnenstiches vollstationär in einem Krankenhaus behandelt worden. Das waren doppelt so viele wie in einem normalen Sommer 2016. Die Zahl so genannter Hitzetoter in dieser Zeit werden allein in Deutschland auf 7000 geschätzt.

Drei Hitzetage hintereinander erhöhen die Sterblichkeit

2017 konnte die Medizinerin Steul die Zusammenhänge in einer Studie genauer abbilden. Sie konnte auf Diagnosen zurückgreifen, die die Rettungskräfte bei Krankenhauseinweisungen während einer Hitzewelle gestellt hatten. Auf der Basis dieser Angaben fand sie unter anderem heraus, dass sich mit der Hitze auch die allgemeinen Krankheitsfälle mehren. „Die Hitze stellt enorm hohe Anforderungen an den Körper“, erklärt sie. Folgen können nicht nur der Hitzeschlag oder Sonnenstich sein, sondern Herzinfarkt, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Nieren und der Atemwege sowie Stoffwechselstörungen. Sie weiß heute auch, dass sich die Sterblichkeit nach drei aufeinanderfolgenden Hitzetagen erhöht. Und: „Es kann natürlich auch zu Unfällen kommen, einfach weil die hohe Temperaturbelastung die Konzentration stört.“ Für sie ist klar: „Die Städte, aber auch jeder einzelne muss für das Thema noch mehr sensibilisiert werden, denn der Klimawandel wird uns auch künftig hohe Temperaturen bescheren.“

Sollte der Trend anhalten, rechnet die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) mit einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um drei bis fünf Grad. Es gilt als wahrscheinlich, dass es länger anhaltende Hitzeperioden und mehr heiße Tage geben wird. Damit sind Tage mit Höchsttemperaturen von mehr als 30°C gemeint. Gefährlich ist die Hitze für Säuglinge, Kleinkinder und Kranke, vor allem aber für Menschen, die älter als 65 Jahre sind. Ihre Anpassungsfähigkeit ist geringer, ihr Durst weniger ausgeprägt – und sie sind häufig auf die Hilfe anderer angewiesen. Der Anteil der älteren Bevölkerung wächst und die meisten von ihnen leben in Städten. Dieser Umstand verschärft noch einmal die Lage. Denn Städte heizen sich stark auf und kühlen nachts kaum ab. In den stark besiedelten Regionen sind die Temperaturen allein in den vergangenen zwanzig Jahren durchschnittlich um 0, 8°C gestiegen.  Angesichts der klimatischen und eben der demografischen Veränderungen gehen Forscher davon aus, dass jetzt schon 42 Prozent der Europäer zur Risikogruppe gehören.   

Für gesunde Erwachsene gibt es in der Regel keine gesundheitlichen Gefahren: Wenn sie ausreichend trinken und essen, kann sich der Körper anpassen. Der Mensch schwitzt und gibt auf diese Weise Wärme ab. Diese Fähigkeit hängt aber nicht nur von Alter und Vorerkrankungen ab. Sie wird durch Medikamente, Drogen, Alkohol und Koffein beeinträchtigt.

UV-Strahlen: Gefährlicher April

Als Konsequenz des Hitzesommers 2003 hat der Deutsche Wetterdienst für Deutschland (DWD) ein Hitzewarnsystem eingerichtet. Seit vorigem Jahr werden besonders betroffene Städter, ältere und kranke Menschen gezielt über Gefahren informiert.

Mit dem Klimawandel könnte es mehr Sonnenstunden pro Tag und Jahr geben. Allein dadurch wäre die Bevölkerung vermehrt UV-Strahlen ausgesetzt. Die milden Temperaturen sind außerdem verlockend: Wird es wärmer, werden die Menschen häufiger ihre Zeit im Freien verbringen – auch im Frühjahr. Doch vor allem Ende März und im April häufen sich sogenannte „Niedrig-Ozon-Ereignisse“, was ebenfalls dem Klimawandel zugeschrieben wird. Die Ozonschicht ist dann besonders dünn und lässt mehr UV-B-Strahlung die Erdoberfläche erreichen. Die Haut ist zu dieser Jahreszeit generell sehr empfindlich, weil der Eigenschutz noch unterentwickelt ist. Insbesondere hellere Hauttypen müssen mehr denn je darauf bedacht sein, sich rechtzeitig zu schützen.  

Zu den akuten Wirkungen übermäßiger Strahlung gehören der Sonnenbrand oder eine Entzündung der Hornhaut des Auges. Zu den chronischen Schäden zählen der Hautkrebs sowie die Linsentrübung des Auges. Die Gefahren scheinen viele zu unterschätzen: Seit den 1980er Jahren hat sich die Zahl der Hautkrebserkrankungen mehr als verdreifacht. Meist handelt sich um Formen des hellen Hautkrebses, die als gut behandelbar gelten. Seltener ist der schwarze Hautkrebs, der zum Tod führen kann.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) informiert mit dem UV-Index (UVI) täglich die sonnenbrandwirksame UV-Strahlung. Je höher der UVI an einem Tag ist, desto schneller kann die ungeschützte Haut Schaden nehmen. Von April bis September veröffentlicht das BfS jeweils montags, mittwochs und freitags eine 3-Tagesprognose für Nord-, Mittel- und Süddeutschland (www.bfs.de).

Info

Einige Tipps, was man gegen zu viel UV-Strahlung machen kann:

  • Tragen Sie einen breitkrempigen Sonnenhut und eine Sonnenbrille
  • Benutzen Sie ein Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 15 oder höher mit „UVA und UVB Schutz“ oder der Bezeichnung „Breitspektrum“
  • Beginnen Sie mit dem Schutz bereits im Frühjahr
  • Kinder müssen besonders geschützt werden
  • Suchen Sie Schatten auf

Infektionen: Asiatische Tigermücke in Baden

Mit dem Klimawandel breiten sich höhere Temperaturen, mildere Winter und feuchtere Sommer aus, so dass Insekten wie Zecken und Mücken in bestimmten Gebieten anders als früher überleben und gedeihen können. Einige dieser Insekten können Krankheiten wie die Lyme-Borreliose, das Dengue-Fieber oder Malaria übertragen. In einzelnen Teilen Deutschlands – wie zum Beispiel in Baden – konnten bereits Populationen der asiatischen Tigermücke nachgewiesen werden. Die Mücke kann Erreger wie das Dengue-Virus auf den Menschen übertragen. Das Infektionsrisiko in Deutschland wird vom Robert-Koch-Institut (RKI) aber noch als gering eingestuft: Die Mücke müsste auf Menschen treffen, die das Virus bereits im Blut haben, und sie müsste in kürzester Zeit, innerhalb einer Woche zustechen, um einen Menschen mit dem Erreger anzustecken. Außerdem bräuchte das Virus ausreichend und zuverlässig warme Verhältnisse, damit es sich vermehren kann.

Um Gefahren und Infektionsrisiken schneller zu erkennen, arbeiten Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) und des Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) seit 2012 an einem so genannten Mückenatlas. Der zeigt genau, wann und wo welche Mückenarten in Deutschland vorkommen. Die Forscher greifen dabei auch auf die Hilfe der Bürger zurück: Jeder, der will, kann Mücken fangen und einschicken: www.mueckenatlas.com

Im Sommer 2018 wurde erstmals in Deutschland das Westnil-Virus nachgewiesen, das ursprünglich in tropischen Regionen vorkommt. Der Erreger infiziert vor allem Vögel und kann durch die klassische Stechmücke auf den Menschen übertragen werden. Warme Sommer und starke Niederschläge begünstigen die Verbreitung des Virus. Die Infektion bei Menschen verläuft in 80 Prozent der Fälle ohne Symptome, bei etwas weniger als 1 Prozent kann sie auch tödlich enden. In der Regel sind ältere Menschen und solche mit geschwächtem Immunsystem gefährdet. Das RKI sieht keinen Grund zu großer Besorgnis, rät aber zur Aufmerksamkeit. Überwachungssysteme informieren die Öffentlichkeit über Vorkommen des Virus, um unter anderem sicherzugehen, dass Ärzte über die Erkrankung im Bilde sind. Das European Centre for Disease Prevention and Control zum Beispiel fasst Erkenntnisse zu Krankheitserregern in Karten zusammen. So kann sich jeder darüber informieren, welche Gebiete gerade betroffen sind. Die Karten werden wöchentlich aktualisiert:

 

Wie schütze ich mich vor neuen Krankheiten, die von Mücken übertragen werden?

Es gibt eine Reihe von Schutzmaßnahmen gegen Mücken, die im Fall der Fälle helfen können:

  • Besprühen Sie Ihre Haut und Ihre Kleidung mit Mückenschutzmitteln auch tagsüber
  • Installieren Sie Mückengitter an den Fenstern und Moskitonetze über den Betten
  • Sorgen Sie dafür, dass es in der Nähe keine geschlossenen Wasserstellen gibt, die den Mücken als Brutplatz dienen könnten
  • Tragen Sie lange Kleidung

Luftverschmutzung: Ozon-Werte vor allem am Stadtrand hoch

Der Klimawandel bedeutet auch höhere Luftverschmutzung. Bei starker Sonnenstrahlung bildet sich in den unteren Luftschichten der Atmosphäre ein Schadstoffgemisch, der sogenannte Sommersmog. Dessen Hauptbestandteil ist Ozon, das Augen-, Kopf- und Halsschmerzen verursachen und die Atemwege schädigen kann. Schon geringe Werte können Schleimhäute und Augen reizen. Insbesondere Kinder und alte Menschen reagieren sensibel auf Luftverschmutzung, ebenso wie Asthmatiker und Menschen, die an Atemwegserkrankungen leiden.

Das Umweltbundesamt (UBA – www.uba.de) gibt Auskunft über die aktuelle Ozon-Belastung für ganz Deutschland und erstellt eine Prognose für die nächsten drei Tage. Treten Ozon-Werte oberhalb der Schwelle von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter auf, berichten Medien darüber. In dieser Zeit sollten Sie größere Anstrengungen im Freien vermeiden und auf Sport verzichten. Das gilt sowohl für das Stadtgebiet also auch für die weitere Umgebung: Laut UBA werden die höchsten Ozonwerte am Stadtrand und in den angrenzenden ländlichen Gebieten gemessen, weil die Vorläuferstoffe des Ozons mit dem Wind aus der Stadt getragen werden.

Allergene: CO2 kurbelt die Pollenproduktion an

Betroffen vom Klimawandel sind auch Allergiker. In den letzten 30 Jahren hat die Pollenkonzentration allergen wirkender Pflanzen in Europa vor allem in den Städten zugenommen. Mit den steigenden Temperaturen beginnt die Blütezeit bestimmter Pflanzen früher und Menschen mit Pollenallergie leiden entsprechend länger – zumal sich die Wirksamkeit der Allergene ebenfalls durch die Wärme verstärkt. Und: Neue Allergene kommen hinzu. Bislang nicht heimische Pflanzen, wie etwa die allergene Beifuß-Ambrosie und die Olive, wachsen inzwischen in unseren Breiten. Doch nicht nur steigende Temperaturen, auch die immer höhere Konzentration von Kohlendioxid (CO2) kurbelt die Pollenproduktion an. Vieles weist darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und allergischen Atemwegserkrankungen gibt. Deren Fälle steigen weltweit. Luftschadstoffe wie Ozon und Feinstaub können diesen Trend möglicherweise verstärken.

Wer wissen will, was gerade blüht, kann den Service des Polleninformationsdienstes (PID) konsultieren (www.pollenstiftung.de). Er soll es Allergikern ermöglichen, Zusammenhänge zwischen der Belastung durch eine bestimmte Pollenart und ihren Beschwerden herzustellen. Die Plattform bietet die Möglichkeit, regelmäßig ein persönliches elektronisches Pollentagebuch zu führen.

Bei intensivem Pollenflug gelten folgende Tipps:

  • Fenster geschlossen halten oder Pollenschutzgitter installieren
  • Körperliche Belastung meiden
  • Staubsauger mit Mikrofilter verwenden
  • Nach einem Aufenthalt im Freien duschen, weil sich Pollen leicht an Haare und Kleider heften
  • Kleidung nicht im Schlafzimmer ausziehen und die Kleidungsstücke waschen

Das sollten Sie ganz allgemein beachten

Zum einen kann zu Hitzekrämpfen, Sonnenstich und Hitzschlag kommen. Zum anderen können sich Krankheiten bei großer Hitze verschlimmern. Das Umweltbundesamt rät, den Tagesablauf anzupassen. Eine Reihe von Maßnahmen können aber helfen, besser mit der Hitze umzugehen.

Vermeiden Sie körperliche Belastungen, auch Sport. Falls Sie körperlich arbeiten müssen, trinken Sie pro Stunde zwei bis vier Gläser eines kühlen, alkoholfreien Getränks. Der Körper braucht ausreichend Flüssigkeit und muss dabei den Elektrolytverlust ausgleichen. Das Umweltbundesamt empfiehlt natriumhaltiges Mineralwasser, Säfte, Suppen, Brühen; wasserreiche Früchte, wie Melonen, Gurken, Tomaten, Erdbeeren, Pfirsiche. Alkoholische Getränke sind nicht gut. Genauso sollten Sie nach Möglichkeit auf Koffein oder Speisen mit viel Zucker verzichten. Essen Sie möglichst verteilt auf den Tag mehrere kleine, leichte Mahlzeiten.

Zu Hause gilt: Lüften Sie nachts und morgens. Dunkeln Sie die Räume tagsüber ab. Verschaffen Sie sich Abkühlung etwa mit einer kühlen Dusche. Lassen Sie sich häufiger kühles Wasser über die Handgelenke laufen.

 

Quellen:

  • The 2018 report of the Lancet Countdown on health and climate change: shaping the health of nations for centuries to come
  • Klimawandel und Gesundheit – Ein Sachstandsbericht RKI 2010
  • Monitoring-Bericht Umweltbundesamt 2015
  • Umwelt-Tipps für den Sommer Umweltbundesamt 2018
  • Pressemitteilung zur Klima-Pressekonferenz 2017 des Deutschen Wetterdienstes (DWD)
  • allergieinformationsdienst.de
  • Mortality during heatwaves 2003-2015 – the 2003 heatwaves and its implications
  • Morbidität von Hitze – Eine Analyse der Krankenhauseinweisung per Rettungseinsatz während einer Hitzewelle in 2015 Frankfurt/Main