Bilharziose: Symptome, Diagnose und Behandlung der Tropenkrankheit

Kaum bekannt und dennoch so gefährlich: Bereits vor 5.000 Jahren haben die Bewohner Ägyptens an Bilharziose gelitten. 1852 wurde die Tropenkrankheit dort erstmals von dem deutschen Pathologen Theodor Bilharz beschrieben. Heute sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO 200 Millionen Menschen von der parasitären Infektionskrankheit betroffen. Hier erfahren Sie alles zu den Risiken und der Übertragung sowie zu den Symptomen und der Behandlung von Bilharziose.

Was genau ist Bilharziose?

Bilharziose, auch Schistosomiasis genannt, ist eine Wurmkrankheit, die sowohl von Mensch zu Mensch als auch von Tieren auf den Menschen übertragen werden kann. Sie tritt in etwa 70 überwiegend tropischen Ländern auf. Nach Angaben der WHO sterben jährlich schätzungsweise 50.000 bis 300.000 Personen an dieser Tropenkrankheit.

In Deutschland ist die Erkrankung selten und betrifft primär Einwanderer oder Reiserückkehrer. Etwa 90 Prozent der Betroffenen in Deutschland haben sich in Afrika infiziert. Beachtenswert sind die Infektionsfälle der Jahre 2013/14 auf Korsika – dort waren Touristen betroffen. Da die Infektion lange unentdeckt bleibt, aber langfristig zu schweren Organschäden und sogar zu Blasenkrebs führen kann, wird nach Tropenreisen mit Süßwasserkontakt eine Screening-Untersuchung empfohlen.

Vorkommen von Bilharziose

Vor allem in den Teilen Afrikas, die südlich der Sahara liegen, sind die Erreger verbreitet. Doch auch in bestimmten Regionen Südamerikas (vor allem in Brasilien, Surinam und einigen Regionen Venezuelas) tritt die Krankheit auf. Die Erreger „Schistosoma japonicum“ und „Schistosoma mekongi“ kommen in Südwest- und Südostasien vor, Reisende infizieren sich damit jedoch viel seltener als mit den afrikanischen Spezies. Die Mehrzahl der deutschen Reiserückkehrer hat sich in Westafrika sowie im Malawi- und Victoriasee infiziert.

Anmerkung: Die Daten sind 1987 erhoben worden, aber bis heute die wichtigste Quelle zum Vorkommen der Bilharziose weltweit. Falls eine Region nicht verzeichnet ist, bedeutet dies nicht automatisch Erregerfreiheit.

Der Bilharziose-Erreger

Ursache der Bilharziose bzw. Schistosomiasis ist ein Saugwurm (Trematode), der sich von menschlichem Blut und Eiweiß ernährt. Er wird als Pärchenegel bezeichnet, da der weibliche Wurm in der Bauchfalte des männlichen liegt. Fünf Arten können eine Bilharziose beim Menschen auslösen:

  • Schistosoma mansoni
  • Schistosoma haematobium
  • Schistosoma intercalatum
  • Schistosoma mekongi und
  • Schistosoma japonicum

Der Lebenszyklus beginnt mit dem vom Weibchen abgelegten Ei, das von einem infizierten Menschen oder Tier ausgeschieden wird und mit dem Stuhl oder dem Urin ins Wasser gelangt. Im Süßwasser schlüpft nach wenigen Minuten eine sogenannte Wimpernlarve (Mirazidium). Diese infiziert bestimmte Süßwasserschnecken, die als Zwischenwirte dienen. Deshalb kommt Bilharziose nur dort vor, wo die passenden Schnecken (Bulinus, Biomphalaria, Oncomelania, Tricula) leben. In ihnen reifen die Wimpernlarven zu sogenannten Zerkarien heran, die einen gegabelten Schwanz haben und daher als „Gabelschwanzlarven“ bezeichnet werden.

Aus einer Wimpernlarve entstehen mehrere Tausend Zerkarien, die aus der Schnecke wieder in das Wasser gelangen. Beim Baden im Süßwasser – besonders in stehenden bzw. langsam fließenden Gewässern oder schwach konzentriertem Brackwasser, z.B. in Flussmündungen – ist in bewachsenen Uferzonen die Ansteckungsgefahr mit Bilharziose besonders groß, da hier die Schnecken leben. Zur Infektion genügen schon einige flüchtige Spritzer zerkarienhaltigen Wassers.

Typische Bilharziose-Symptome

Phase 1: Zerkariendermatitis

Dringen die Zerkarien beim Baden durch die Haut in den menschlichen Körper ein, kann es zu einer juckenden Hautentzündung mit Rötungen und Quaddel-Bildung kommen, der Zerkariendermatitis. Diese kommt auch in Deutschland vor – durch Wassergeflügel, das mit dem Bilharzioseerreger infiziert ist („Entenbilharziose“). Sie tritt vor allem im Sommer nach dem Baden in Seen oder Teichen in Erscheinung und kann quälenden Juckreiz hervorrufen. Sie ist an sich aber harmlos, da diese Zerkarien sich in uns nicht entwickeln und absterben.

Phase 2: Katayama-Fieber

Die zweite Phase der Bilharziose – nach der Infektion – beginnt nach drei bis zehn Wochen. Sie wird Katayama-Fieber genannt und äußert sich in einem Teil der Fälle mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Nesselsucht. Ebenso können Milz und Leber vergrößert sein oder eine Bronchitis auftreten. Zudem sind Herzrhythmusstörungen oder lebensbedrohliche neurologische Komplikationen möglich. Im Blut vermehren sich die eosinophilen weißen Blutkörperchen – ein typisches Zeichen einer Parasiteninfektion. Diese Phase der Erkrankung kann akut zum Tod oder zu schweren Organschäden führen.

Phase 3: Ansiedlung im menschlichen Körper

Danach verläuft die Infektion oft unbemerkt. Aus den Zerkarien wachsen über ein Zwischenstadium Würmer heran. Sie erreichen eine Größe von ein bis zwei Zentimetern und leben schließlich viele Jahre lang dauerhaft in den Blutgefäßen. Die Weibchen legen 100 bis 3.000 Eier pro Tag ab. Der Körper reagiert auf die Schistosomeneier, indem er aus Abwehrzellen eine bindegewebige Barriere, ein sogenanntes Granulom, bildet. Später erwachsen daraus narbige Veränderungen. Diese stören die Durchblutung und verursachen Organschäden. Einige Arten (S. mansoni, S. japonicum, S. mekongi u.a.) siedeln bevorzugt in den Blutgefäßen des Darms und lösen eine Darm-Bilharziose mit Entzündung der Darmschleimhaut und späterer Schädigung der Leber aus: Durch eine Blutstauung in der Pfortader, dem wichtigsten Blutgefäß der Leber, kommt es zur Bildung von Umgehungskreisläufen (portaler Hypertonus). Zudem bilden sich Krampfadern in der Speiseröhre, die zu schweren Blutungen führen können. Als Folge der Funktionsstörung der Leber sammelt sich unter Umständen Flüssigkeit in der Bauchhöhle (Aszites).

Schistosoma haematobium bevorzugt Venen der Harnwege und des Genitalbereichs und bewirkt so die Urogenital-Bilharziose mit Bildung von Blasenpolypen oder Blasenkrebs. Der Erreger kann aber auch den Darm befallen. In den Tropen kann die chronische Entzündung des Genitaltraktes bei Frauen zu Unfruchtbarkeit führen und die Empfänglichkeit für eine HIV-Infektion erhöhen.

Grundsätzlich können die Eier jedoch in sämtliche Organe des menschlichen Körpers ausgeschwemmt werden. Je höher die „Wurmlast“ ist und je mehr Eier im Körper abgelegt werden, desto größer ist das Ausmaß der organischen Schäden.

Eine korrekte Bilharziose-Diagnose stellen

Nach Süßwasserkontakten in Regionen, in denen Bilharziose vorkommt, sollte frühestens nach sechs Wochen eine Screening-Untersuchung erfolgen – unabhängig davon, ob Symptome vorliegen oder nicht, und auch dann, wenn ein Wasserkontakt nicht explizit erinnert wird. Die Untersuchung erfolgt mittels einer Bestimmung der Antikörper gegen Bilharziose. Bei geringen Mengen roter Blutkörperchen im Urin oder vagen Symptomen (wie zum Beispiel Erschöpfungszuständen), sollte der Arzt aufgesucht und über den Auslandsaufenthalt informiert werden. Wenn frühzeitig therapiert wird, kann eine Schistosomiasis gut behandelt werden.
In Stuhl und Urin lassen sich etwa acht bis zwölf Wochen nach der Ansteckung die Eier der Schistosomen nachweisen. Alternativ können Gewebeproben aus Darm oder Blase untersucht werden, nicht selten werden die Eier erst nach mehrfacher Suche gefunden. Die Wurmeier besitzen charakteristische Stacheln, die für jede Schistosomen-Art spezifisch sind und die Diagnose erleichtern.

Die Bilharziose-Behandlung

Zur Behandlung der Bilharziose ist das sogenannte „Praziquantel“ das Mittel der Wahl. Es schädigt die Oberfläche der Würmer, damit das körpereigene Abwehrsystem die Erreger beseitigen kann. Somit werden im Idealfall keine weiteren Eier mehr produziert. Praziquantel wird in Tablettenform eingenommen und ist sehr gut verträglich. Als Nebenwirkungen der Behandlung können zum Beispiel Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder Erbrechen auftreten – wenngleich eher selten. Schwangere sollten erst nach der Entbindung eine Bilharziose-Therapie beginnen, um eine mögliche Schädigung des Ungeborenen durch Medikamente zu vermeiden.

Nach der Therapie werden sechs bis zwölf Monate später Stuhl oder Urin erneut auf Wurmeier untersucht und die Antikörper im Blut gemessen. Eine weitere Kontrolle kann nach 24 Monaten stattfinden. Nicht selten müssen Patienten mehrfach behandelt werden – besonders bei einer Infektion mit S. japonicum. In manchen Fällen ist zusätzlich eine Blasen- oder Enddarmspiegelung sinnvoll.

Wie können Sie sich schützen?

Wer sich in bekannten Bilharziose-Risikogebieten aufhält, sollte weder in natürlichen noch künstlich angelegten Süßwasser-Gewässern baden – auch nicht, wenn vor Ort behauptet wird, das Gewässer sei frei von Erregern. Es genügt nicht, beim Baden die Uferzone zu meiden. Sogar beim Wassersport in der Mitte des Gewässers oder beim Waten im Wasser kann man sich infizieren. Sachgerecht gewartete Pools sind jedoch sicher.

Wenn ein Gewässer durchquert wird, ist das Tragen von Schutzkleidung ratsam. Wenngleich Bilharziose nicht über Trinkwasser übertragen wird, sollte dieses abgekocht, gechlort oder filtriert sein, um es zu entkeimen. Damit wird auch die Gefahr anderer Infektionen verringert. Nach längeren Tropenaufenthalten sollte unbedingt zeitgerecht eine Kontrolle mittels Antikörperuntersuchung erfolgen. Das Auftauchen von Bilharziose in einem bei Touristen beliebten Fluss auf Korsika hat gezeigt: Eine Ausbreitung der Erkrankung nach Südeuropa ist durchaus möglich.

Tipp: Sie planen eine Fernreise und wollen mehr über Reisekrankheiten in risikoreichen Ländern erfahren? Dann werfen Sie einen Blick in unseren kostenlosen Travel Guide, wo Dr. Hinrich Sudeck über Reisen in Länder mit besonderen gesundheitlichen Risiken aufklärt.

Über den Autor

Dr. med. Hinrich Sudeck, Jahrgang 1956, ist Internist und Tropenmediziner und war von 1990 bis 2007 Assistenzarzt und leitender Oberarzt am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Er leitete von 2010 bis 2015 den Fachbereich Tropenmedizin der Bundeswehr in Hamburg und absolvierte als Soldat Einsätze in Afghanistan, Mali und in Liberia im Rahmen der Ebolabekämpfung, nachdem er bereits seit 2003 als WHO-Experte für den Umgang mit hochansteckenden Viruskrankheiten tätig war. Neben vielen Reisen in tropische Länder hat er vier Jahre in Ghana und Nigeria gelebt und gearbeitet.