Das Auslandsjahr und seine grenzenlosen Möglichkeiten

Travelling is the only thing you can buy that makes you richer.“ Unter diesem Motto machen sich jedes Jahr Scharen von Neugierigen auf den Weg, um im Ausland zu studieren oder zu arbeiten, andere Kulturen kennenzulernen oder eine neue Fremdsprache zu lernen. Allein unter den Studierenden stieg die Zahl der Deutschen im Ausland innerhalb von zehn Jahren von etwa 58.000 auf mehr als 138.000[1] – eine Entwicklung, die sich quer durch alle Altersklassen zieht.

Bevor es jedoch in die Ferne geht, gilt es, eine Vielzahl organisatorischer Fragen zu klären: Wann bietet sich ein Auslandsaufenthalt an? Was sind die Voraussetzungen für ein Auslandsjahr? Ist ein Auslandspraktikum, ein Auslandsstudium, eine Sprachreise oder etwas ganz anderes das Richtige für mich? Welche Möglichkeiten der Finanzierung gibt es? Welche Organisationen und Programme können mich unterstützen? Und wo kann ich mich beraten lassen? Alle Antworten sowie nützliche Tipps und Hilfestellungen rund um das Thema Auslandsjahr geben wir in diesem Artikel.

Auslandsjahr – ist das überhaupt etwas für mich?

Ein fremdes Land, eine fremde Kultur, fremde Menschen, fremde Sprache: Richtig, das erfordert Mut. Aber die allerwenigsten Menschen, die die Mission Auslandsjahr bereits abgeschlossen haben, werden davon abraten. Denn trotz anfänglicher Unsicherheiten und durchaus erforderlichem Planungstalent hat eine lange Auszeit in einem fremden Land ungemein viele Vorteile für die eigene Persönlichkeitsentwicklung. Worauf sich angehende Globetrotter freuen dürfen:

  • Erlernen von mindestens einer neuen Fremdsprache, darunter meistens auch die englische Sprache, die heutzutage gefragter denn je ist.
  • Andere Bräuche, andere Sitten: Wer eine längere Zeit in einer anderen Kultur verbringt, lernt diese zu verstehen. Toleranz und Offenheit sind für viele Menschen selbstverständlich, erreichen aber bei einer solchen Erfahrung oft ein neues Level. Darüber hinaus ist die interkulturelle Kompetenz durchaus ein wichtiger Bestandteil einer guten Allgemeinbildung.
  • Wer bin ich? Bewusst auf Luxus zu verzichten, Herausforderungen eigenständig zu meistern, Entscheidungen allein zu treffen – das alles sind wichtige Steps auf dem Weg zu einem gesunden Selbstbewusstsein und einer starken Persönlichkeit. Außerhalb des heimatlichen Alltags lernen sich Reisende häufig selbst erst richtig kennen.
  • Stärken zeigen: Das Auslandsjahr macht sich auch im Lebenslauf hervorragend und signalisiert dem zukünftigen Arbeitgeber die Fähigkeit, sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden. Auch wer später mit internationalen Kunden arbeiten möchte, kann hier bereits einen Grundstein legen.

Erfahrungsgemäß sind es vor allem junge Leute, die das Fernweh ins Ausland zieht. Denn während der Schulzeit, nach dem Abitur oder während des Studiums sind die Möglichkeiten für ein Auslandsjahr grenzenlos. Dabei kann der Sprung ins Ausland oft mit einer sinnvollen Tätigkeit, beispielsweise mit Freiwilligenarbeit, verbunden werden. Auch immer mehr Berufstätige verspüren den Drang, eine Auszeit zu nehmen und fremde Kulturen in fernen Ländern kennenzulernen. Im Rahmen eines sogenannten Sabbaticals können sie mit ihrem Arbeitgeber eine Vereinbarung über eine Auslandszeit im Arbeitsvertrag treffen, die eine nahtlose Rückkehr in den Beruf ermöglicht.

Welche Möglichkeiten gibt es für ein Auslandsjahr?

Es gibt unzählige Möglichkeiten für ein Auslandsjahr, von Sprachreisen über ein Auslandspraktikum bis hin zu Work and Travel und Au-pair. Zur besseren Übersicht haben wir die häufigsten Formen des Auslandsaufenthalts kurz beschrieben:

Der Schüleraustausch

Bereits während der Schulzeit haben Jugendliche die Möglichkeit, ein halbes oder ganzes Jahr in einer Gastschule im Ausland zu verbringen. In der Regel erfolgt die Unterbringung in einer Gastfamilie, die sich zur Aufnahme eines Schülers oder einer Schülerin aus einem anderen Land bereiterklärt hat. Der Begriff Schüleraustausch ist übrigens etwas missverständlich. Obwohl von einem „Austausch“ die Rede ist, muss man nicht zwangsläufig einen Schüler aus dem Ausland bei sich aufnehmen.

Für einen Schüleraustausch gibt es keine feste Altersgrenze. Das Auslandsjahr an einer Schule in einem fremden Land bietet sich aber vor allem während der gymnasialen Oberstufe an. Wer Interesse an einem Schüleraustausch hat, kann verschiedene Wege einschlagen. Häufig pflegt die Schule bereits feste Partnerschaften mit Schulen im Ausland und bietet ihren Schülern so einen unkomplizierten Weg ins Ausland. Alternativ können interessierte Schüler auch selbst die Initiative ergreifen und sich an eine Organisation wenden, die sich auf Schüleraustausche spezialisiert hat.

Tipp: Sinnvoll ist es, zunächst das Preis-Leistungs-Verhältnis der Organisationen zu vergleichen. Hier gibt es durchaus Unterschiede.

Work and Travel – arbeiten und reisen

Arbeiten und reisen schließt sich aus? Von wegen! Seit Jahren liegt das Work-and-Travel-Auslandsjahr im Trend und erfreut sich vor allem unter jungen Menschen in der Zeit nach dem Schulabschluss großer Beliebtheit. Ob in einem Hostel in Peru, auf einer Farm in Australien oder einem Bauernhof in Norwegen – während eines Work-and-Travel-Auslandsjahres kann man zwischendurch die Reisekasse aufbessern, auf der Durchreise neue Leute kennenlernen und Einblicke gewinnen, die im „normalen“ Urlaub so nicht möglich sind. Die Work-and-Travel-Variante des Auslandsjahres bietet grenzenlose Freiheiten, verlangt aber auch Disziplin und die Bereitschaft, zwischendurch hart zu arbeiten.

Spezialisierte Organisationen und Programme sind bei der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz behilflich. In beliebten Backpacker-Ländern wie Australien oder Neuseeland gelingt es aber auch häufig ohne Vorbereitung, vor Ort eine vorübergehende Arbeit zu finden.

Das Auslandssemester

Im Rahmen eines Auslandssemesters haben Studierende die Möglichkeit, einen Teil ihres Studienplans an einer Hochschule oder Universität im Ausland zu absolvieren. Die Kurse im Ausland können je nach Zielland entweder auf Englisch oder in der jeweiligen Fremdsprache absolviert werden. Wichtig ist, im Vorfeld die Anerkennung der angebotenen Kurse an der eigenen Hochschule zu klären. Viele Universitäten sind Teil eines internationalen Austausch-Netzwerks und unterhalten feste Partnerschaften zu Universitäten im Ausland. Alternativ können Studierende auch selbst die Initiative ergreifen und sich an die Hochschule im Ausland wenden – dieser Weg ist aber häufig deutlich aufwendiger. Besonders beliebt ist übrigens das Erasmus-Programm im Studium, bei dem sich Studierende innerhalb Europas auf ein Auslandssemester im Land ihrer Wahl bewerben können. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) bietet Studenten auf seiner Homepage zahlreiche Informationen rund um das Auslandsjahr.

Als praxisorientierte Alternative zum Auslandsstudium haben Studenten auch die Möglichkeit, ein Auslandspraktikum zu absolvieren. Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollten vor Antritt des Praktikums das Aufgabenfeld, der Verantwortungsbereich und die Vergütung klar geregelt werden.

Das Auslandsjahr als Au-pair

Wer Freude an der Arbeit mit Kindern hat, für den ist der Au-pair-Aufenthalt vielleicht genau das Richtige. Jugendliche und junge Erwachsene haben die Möglichkeit, bei einer Gastfamilie im Ausland zu leben und sich um die Betreuung der Kinder zu kümmern. Im Gegenzug erhalten Au-pairs neben der Unterkunft und der Verpflegung meist auch ein Taschengeld. Für Au-pair-Aufenthalte gibt es ebenfalls eine ganze Reihe an Organisationen. Wer möchte, kann sich auf spezialisierten Plattformen wie z.B. AuPairWorld umschauen – oder aber die Suche nach einer Gastfamilie selbst in die Hand nehmen.

Neben den hier genannten Möglichkeiten eines Auslandsjahres gibt es viele weitere Optionen, das Abenteuer Ausland in Angriff zu nehmen. Ob als Berufstätiger im Rahmen eines Sabbatjahres oder im Freiwilligendienst einer sozialen Organisation – die Tür ins Ausland steht weit offen.

Von Australien bis Zypern – welches Land darf es sein?

Ob Auslandsstudium an einer Universität in Kalifornien oder Work and Travel auf einer Farm in Neuseeland – die Wahl des Ziellandes steht meist an erster Stelle. Die folgende Fragenliste kann  dabei helfen, eine fundierte Entscheidung zu treffen:

  • Welche Sprachen beherrsche ich bereits und welche Fremdsprache möchte ich lernen?
  • Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten in meinem Wunschland? Wie teuer ist der Flug? Kann ich mir den Auslandsaufenthalt leisten?
  • Wie ist die Sicherheitslage im Zielland? Das Auswärtige Amt stellt auf seiner Website hilfreiche Informationen bereit.

Wie hoch ist der bürokratische Aufwand, um eine Arbeitserlaubnis oder einen Studienplatz zu bekommen? Benötige ich ein Visum oder kann ich frei in das Land einreisen?

Ein Auslandsjahr innerhalb der Europäischen Union vereinfacht den Aufenthalt übrigens ungemein. Abgesehen von den geringeren Flugkosten und der unbürokratischen Einreise wird hier auch keine Arbeitserlaubnis benötigt.

Viele Menschen möchten solch ein Auslandsjahr aber bewusst in einem Land außerhalb der Europäischen Union absolvieren. Die Antwort auf die Frage, welches Land es denn sein soll, hängt nicht nur von den oben genannten Punkten ab, sondern zu einem Großteil auch von dem Reiz, den das Land an sich auf den Einzelnen ausübt  – beispielsweise in Bezug auf sehenswerte Orte, unberührte Natur oder eben einfach die Mentalität der Menschen in diesem Land. In unserem Backpacking Guide stellen wir drei spannende Länder vor: Den Klassiker Australien – und mit Laos und Bolivien eher zwei Geheimtipps.

Wie finanziere ich mein Auslandsjahr?

Die Finanzierung eines Auslandsjahres stellt für viele Globetrotter eine große Herausforderung dar. Je nach Art des Aufenthalts können ganz unterschiedliche Kosten anfallen. Während bei einem Schüleraustausch oder Au-pair-Aufenthalt Unterkunft und Verpflegung gestellt werden, fallen beim Studium im Ausland nicht nur diese Kosten, sondern gegebenenfalls auch Studiengebühren an.

Zum Glück gibt es zahlreiche Förderprogramme, die Stipendien für Studierende bereitstellen und ein Auslandsjahr damit erst möglich machen. Auf Vergleichsplattformen wie mystipendium können interessierte Studierende je nach Studiengang und Zielland nach geeigneten Förderprogrammen suchen und sich auf ein Stipendium bewerben. Auch das Erasmus-Programm bietet finanzielle Unterstützung: Hier erhalten Studierende einen monatlichen Zuschuss für die Dauer ihres Auslandssemesters. Je nach Zielland fällt der Betrag unterschiedlich hoch aus. In der Regel hat jedes Institut einer Hochschule oder Universität eine gewisse Anzahl an Plätzen, auf die sich Studierende bewerben können.

Die Auslandskrankenversicherung – für alle Fälle

Wer mitten in der Planung für ein Auslandsjahr steckt, der denkt sicherlich nicht als Erstes an eine Auslandsreise-Krankenversicherung. Um sich für den Fall der Fälle vor hohen Arzt- und Krankenhauskosten zu schützen, ist der Abschluss einer privaten Auslandsreise-Krankenversicherung aber essentiell. Die Kosten für medizinische Behandlungen in einem fremden Land oder für einen Krankentransport in die Heimat können schnell in die Tausende gehen.

Um auf Nummer sicher zu gehen, empfiehlt sich daher der Abschluss einer privaten Auslandsreise-Krankenversicherung mit einer ausreichend langen Laufzeit. Die Envivas bietet mit ihrem Tarif TravelXL beispielsweise Versicherungsschutz für bis zu 365 Tage. Der Tarif beinhaltet neben vielen anderen Leistungen auch die Kostenerstattung für ambulante und stationäre Behandlungen sowie einen eventuell notwendig werdenden Krankenrücktransport.

 

Quellennachweise

  1. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/BildungForschungKultur/Hochschulen/StudierendeAusland5217101147004.pdf?__blob=publicationFile