Reisen mit Diabetes mellitus

Von Dr. med. Andrea Wülker

An blauen Gletscherseen in Island wandern, den Krüger-Nationalpark in Südafrika besuchen, eine faszinierende Metropole kennen lernen, den Sonnenuntergang auf Sri Lanka erleben – eine schöne Reise bringt viele Anregungen und Farbe ins Leben. Damit Ihr Urlaub zu einem wunderbaren Erlebnis wird, ist eine gute Vorbereitung wichtig. Vor allem, wenn Sie mit einer chronischen Erkrankung wie Diabetes mellitus auf Reisen gehen.

Klima, Essen, Tagesablauf und Ihre körperliche Aktivität: Vieles wird am Urlaubsort anders als zu Hause sein – insbesondere, wenn Sie eine Fernreise buchen möchten. Das kann Ihren Stoffwechsel beeinflussen und zu Blutzuckerentgleisungen führen. Dieser Artikel unterstützt Sie dabei, gut auf Ihr Reiseabenteuer vorzubereiten.

8 Wochen vor der Reise: Impfungen, Diabetes-Equipment und Reiseapotheke

Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Arzt/Behandlungsteam über Ihre Reisepläne. Lassen Sie Ihren Impfpass vom Arzt überprüfen und fragen Sie ihn, ob er Ihnen zusätzliche Impfungen empfiehlt oder ob Sie (etwa bei Tropenreisen) spezielle Medikamente z.B. zur Vorbeugung gegen Malaria benötigen. Informationen über die für Ihr Reiseland empfohlenen Impfungen finden Sie auch auf den Internetseiten des Auswärtigen Amtes, auch das Robert Koch-Institut widmet sich dem Thema Reiseimpfungen. Diese sind keine Standardimpfungen. Klären Sie deshalb vorab mit Ihrem Versicherer, ob eine Kostenübernahme möglich ist.

Besprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam, wie groß Ihr Bedarf an Insulin oder anderen Diabetes-Medikamenten, Teststreifen etc. im Urlaub ist. Experten empfehlen, etwa eineinhalb- bis zweimal so viele Medikamente und Teststreifen auf die Reise mitzunehmen, wie Sie sie sonst für den gleichen Zeitraum zu Hause benötigen würden.

Denken Sie auch an kleine Gesundheitsprobleme, die in jedem Urlaub auftreten können – unabhängig von Ihrer Diabetes-Erkrankung. Desinfektionsspray und Pflaster sind auf jeden Fall sinnvoll, falls kleinere Verletzungen auftreten. Ebenso Mittel gegen Durchfall, Sonnenbrand oder Insektenstiche. Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke beraten.

4 Wochen vor der Reise: Wichtige Dokumente und Bescheinigungen mitnehmen

Überprüfen Sie vorab Ihren Versicherungsschutz, etwa bei Reiserücktritt, Reiseabbruch, Erkrankung im Reiseland oder falls ein Rücktransport erforderlich werden sollte. Klären Sie dies rechtzeitig mit Ihrem Versicherer ab.

Packen Sie alle Papiere ein, die im Zusammenhang mit Ihrer Diabetes-Erkrankung von Bedeutung sind. Dazu zählen:

  • Ihr Gesundheits-Pass Diabetes. Wenn Sie ins Ausland reisen, empfiehlt sich ein internationaler, mehrsprachiger Diabetes-Pass, der alle wichtigen Gesundheitsdaten enthält. Sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.
  • Ihr Blutzucker-Tagebuch (falls Sie keine entsprechende App auf Ihrem Handy nutzen)
  • Ihr Notfallausweis, der im Notfall Ersthelfer oder Ärzte über die bestehende Diabetes-Erkrankung und die verordneten Diabetes-Medikamente informiert.
  • Eine mehrsprachige Bescheinigung über die Medikamente und Materialien, die Sie benötigen. Diese ist zur Vorlage bei Fluggesellschaften oder bei Zollbehörden wichtig.

Notieren Sie sich auch Adressen und Telefonnummern, die im Notfall hilfreich sein könnten: Beispielsweise von der Deutschen Botschaft oder von Kliniken am Reiseziel oder die Kontaktdaten Ihrer Arztpraxis zu Hause.

2 Wochen vor der Reise: Gesundheitswissen: Wie fit sind Sie?

Gerade im Urlaub, wenn Ihr Tagesrhythmus, die Ernährung und Ihre körperliche Aktivität anders sind als zu Hause, kann es zu Blutzuckerschwankungen nach unten oder oben kommen. Wissen Sie, wie Sie Ihren Bedarf an Insulin oder anderen Diabetes-Medikamenten bei sportlichen Aktivitäten anpassen? Oder wie Sie bei einem fieberhaften Infekt vermeiden, dass Ihr Stoffwechsel entgleist? Oder was zu tun ist, wenn Sie sich eine leichte (Fuß-)Verletzung zuziehen?

Wenn Sie sich nicht sicher sind, lassen Sie sich von Ihrem Behandlungsteam beraten. Falls Sie in eine andere Zeitzone reisen, besprechen Sie vorab mit dem Arzt, wie Sie Ihre Diabetes-Medikamente anpassen sollen.

1 Woche vor der Reise: So machen Sie beim Packen alles richtig

Denken Sie gerade bei längeren Reisen an angemessene Kleidung und bequeme Schuhe. Um Verletzungen zu vermeiden, sollten Sie am Urlaubsort nicht barfuß laufen – auch nicht am Strand.

Bedenken Sie bitte, dass Insulin, GLP-1-Rezeptoragonisten und auch Plasmaglukose-Teststreifen temperaturempfindlich sind und beachten Sie bitte die entsprechenden Packungsbeilagen. Experten raten, auf Flugreisen alle Diabetes-Utensilien (Insulin, andere Diabetesmedikamente, Teststreifen, Blutzuckermessgerät evtl. Blutdruckmessgerät) im Handgepäck zu transportieren, da im Frachtraum des Fliegers häufig zu niedrige Temperaturen herrschen.

Manchmal müssen Medikamente wie z.B. Insulinpens beim Flugpersonal abgegeben werden und man erhält sie nur bei Bedarf. Am besten, Sie erkundigen sich vorab bei Ihrer Airline, wie das gehandhabt wird.

Bei Auto- oder Busreisen kann es im Sommer sehr heiß werden, daher sollten Diabetes-Medikamente in einer Kühltasche oder einem vorgekühlten Thermosgefäß mitgeführt werden.

Reise in den Urlaub: Damit Sie sicher ans Ziel kommen

Wenn Sie mit dem Auto reisen und Sie selbst am Steuer sitzen, sollten Sie darauf achten, mindestens alle zwei Stunden eine Pause einzulegen. Bewegen Sie sich, trinken Sie reichlich und checken Sie regelmäßig Ihren Blutzucker. Die gewohnte Verteilung von Mahlzeiten und Insulin-Dosen sollten Sie wie gewohnt einhalten.

Nehmen Sie einen Vorrat an schnell resorbierbaren Kohlenhydraten (Traubenzucker, Obstsaft) mit. Bei allerersten Anzeichen einer Unterzuckerung (Zittern, Schweißausbruch) müssen Sie so schnell es geht anhalten und mit Traubenzucker oder ähnlichem gegensteuern.

Bei einer längeren Flugreise ist es wichtig, dass Sie ausreichend ungesüßte, alkoholfreie Flüssigkeit trinken und immer wieder Füße und Beine bewegen, um einer Thrombose (Blutgerinnsel in den Venen) vorzubeugen. Denken Sie daran, ausreichend eigene Snacks ins Handgepäck zu packen, denn bei Flugverschiebungen ist meist kein Verpflegungsservice möglich.

Endlich da! Häufiger als sonst den Blutzucker checken

Genießen Sie Ihren Urlaub, wenn Sie an Ihrem Traumziel angelangt sind! Gehen Sie am Strand spazieren, staunen Sie über großartige Architektur und schlemmen Sie ruhig auch mal lokale Spezialitäten. Aber behalten Sie bitte Ihren Blutzucker gut im Blick. Gerade, wenn Sie sich über die Zutaten der Speisen nicht sicher sind, sollten Sie Ihren Blutzucker häufiger als sonst kontrollieren und bei Bedarf die Medikamentendosis anpassen. Das gilt auch, wenn Sie sich im Urlaub mehr bewegen als zu Hause oder wenn es in Ihrem Reiseland sehr heiß ist. Dann kann es sein, dass das Insulin rascher wirkt als daheim und dass z.B. der Spritz-Ess-Abstand verkürzt oder sogar ausgelassen werden muss.

Wenn Sie mit Freunden oder einer Reisegruppe unterwegs sind, sollten Ihre Mitreisenden bzw. der Reiseleiter wissen, dass Sie Diabetes haben. Sagen Sie ihnen, wo Sie Ihre Medikamente, Zubehör und Traubenzucker aufbewahren und wie diese im Notfall anzuwenden sind. Erkundigen Sie sich an Ihrem Urlaubsort, wo der nächste Arzt und die nächste Apotheke sind, damit Ihnen im Notfall schnell geholfen werden kann.

Und nun: Eine gute Reise und schöne Ferien!

 

Quellen:

  1. Patienteninformation „Diabetes und Reisen“ der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (Stand: Juni 2015). Online verfügbar unter: http://www.kbv.de/media/sp/Pat_Inf_Reisen_mit_Diabetes.pdf (abgerufen am 26.11.2018)
  2. Leben mit Diabetes – auf Reisen. Diabetesinformationsdienst München (Helmholtzzentrum München). Online verfügbar unter: https://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/leben-mit-diabetes/reisen/index.html (abgerufen am 26.11.2018)
  3. Reisen für Menschen mit Diabetes. Deutsche Diabetes Hilfe. Online verfügbar unter: https://www.diabetesde.org/reisen-menschen-diabetes (abgerufen am 26.11.2018)
  4. Mit Diabetes auf Reisen. Ärzte Zeitung, 30.04.2018. Online verfügbar unter: https://www.aerztezeitung.de/panorama/reise/reisemedizin/article/959714/tipps-tricks-diabetes-reisen.html (abgerufen am 26.11.2018)